Die Sache mit der Verantwortung

Ich hab manchmal den Eindruck, dass sich viele Frauen erhoffen, dass die Geburt möglichst schnell vorbei geht und möglichst schmerzlos sein wird. Ich habe das Gefühl, dass man sich durch das Hoffen vielmehr die Möglichkeit nimmt,  sich bewusst auf die Geburt und die möglichen Ängste ein zu lassen, dass die Gebärende sich die Möglichkeit nimmt, Verantwortung für sich zu übernehmen und auf sich zu vertrauen. Hoffen nimmt die Möglichkeit, aktiv am eigenen Glück zu arbeiten.

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie du zum Thema Geburt stehst? Was deine Einstellung zu dem Ganzen ist? Mir scheint es sehr oft, dass es viele Frauen gibt, welche die Geburt aus dem Thema „Schwangersein“ ausklammern. Doch da gibt es keine Trennung. Die Geburt ist mit der Schwangerschaft eng verbunden, sie sind miteinander fest verwachsen. So, wie die Schwangerschaft erlebt wird, mit all ihren Themen und Ängsten, wo wird sich die Geburt zeigen. Oft hab ich das Gefühl, dass sich viele Frauen nicht zutrauen, kraftvoll, selbstbestimmt und schmerzfrei oder zumindest schmerzarm zu gebären. Wieso ist das so?

Ganz ehrlich, als ich das erste Mal mit meinem Sohn schwanger war vor vier Jahren, da bin ich mehr oder weniger per Zufall auf das Thema Hypnobirthing gestossen. Ich hab mir dann das Buch gekauft und gelesen und mir immer wieder dabei gedacht, ob das wohl wirklich geht, ob es eine schmerzfreie Geburt tatsächlich gibt. Das alles hat sich für mich ziemlich abstrakt angehört. Dann habe ich mit meinem Mann den sanfteGeburt© Kurs besucht und mir wurde bewusst, dass ich meine Wünsche, meine Wunschgeburt selbst kreieren kann und muss. Ich hab das auch getan, nur eines habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz begriffen: wie wichtig es ist, selbstverantwortlich und im Vertrauen zu gebären.

Stellen wir uns mal vor, Verantwortung ist ein Ball. Ein Ball, der sich immer einen Besitzer sucht. Wenn sich die Verantwortung an jemanden binden möchte, der so gar keine Lust auf sie hat, dann geht sie eine Person weiter und bindet sich an diese. Es gibt Personen, die fühlen sich ziemlich unwohl mit diesem Ball an der Pelle, dann gibt es andere, die haben am liebsten unzählige Verantwortungsbälle an sich, können mit den fremden Bällen aber nicht wirklich viel anfangen. Dann gibt es Menschen, die das Gefühl haben, sie müssen dem Gegenüber diesen Verantwortungsball möglichst immer und schnell abnehmen. Die Verantwortung fühlt sich wohl bei Menschen, die genau wissen, was sie möchten. Sie kann dann wachsen, gross werden, sich in ihrem Spielfeld ausleben. Irgendwann fühlt sie sich dann so leicht und beschwingt, dass sie anfängt zu schweben, um ihren Besitzer tanzt in der Luft. Das gibt dem Besitzer das Gefühl von Leichtigkeit, von Sicherheit. Merkt die Verantwortung jedoch, dass sie nicht wirklich willkommen ist, dann macht sie sich gerne ziemlich schwer und hinterlässt beim Besitzer ein komisches, ungutes Gefühl. Es gibt auch Menschen, die müssen Verantwortungsbälle von anderen übernehmen, weil das ihr Job so verlangt, weil sie das Gefühl haben, dass das so sein muss. Das ist nicht falsch und auch nicht richtig, manchmal braucht es solche Menschen, aber eigentlich nur sehr sehr selten. Die meisten könnten sehr gut mit ihren Verantwortungsbällen umgehen, nur leider haben sie sie aus dem Blickfeld verloren oder haben das Gefühl, es ginge ihnen besser ohne diesen Ball.

Ich stell mir gerne vor, dass ich für meine Schwangerschaft und Geburt auch so einen Ball bei mir hab. Der ist am Anfang noch nicht wirklich gross, aber der wächst mit meinem Bauch so zu sagen mit. Mein Verantwortungsball darf ganz leicht und beschwingt sein, darf mir aber auch zeigen, wo er noch ein bisschen mehr Unterstützung braucht. Auf jeden Fall ist der Ball mir heilig. MEIN Ball. Und: MEIN Ball BLEIBT bei MIR, bis ich ihn voller Freude fliegen lasse. Bei meiner ersten Geburt hab ich irgendwann mal den Ball weiter gegeben, weil ich das Gefühl hatte, dass er bei jemand anderem besser aufgehoben wäre. Das war ein Trugschluss. Die Menschen, die in Spitälern arbeiten werden oft so geschult, dass sie Verantwortungsbälle übernehmen müssen, aber sie machen das immer ziemlich begrenzt, denn es ist nicht ganz das gleiche, wenn ich mit einem fremden Ball spiele anstatt mit meinem eigenen. Die Spielregeln sind mir nicht bekannt. Und ich hab keine Ahnung, was dieser Ball braucht um gross zu werden. Also wird so ein Verantwortungsball bei einer fremden Person so zu sagen auf der Ersatzbank abgelegt, dass er irgendwo aufgehoben ist, um dann später wieder ins Spielfeld von seinem Besitzer zurück geschickt zu werden. Dann gibt es noch die Menschen, die die Bälle der anderen wahr nehmen können, die ihr tanzen und spielen erkennen und respektieren, ja sogar fördern.

Du fragst dich, was so ein Verantwortungsball braucht um gross und leicht zu werden? Was er braucht, um zu wachsen? Was er braucht, dass er in deinem Spielfeld bleibt?

Verantwortungsbälle lieben...

  • ...klare Ansagen. Dein Ball muss wissen, was DU willst. Er will spüren, wie DU deine Geburt dir vorstellst, damit er weiss, wie die Spielregeln aussehen. Die Spielregeln bestimmst du, nur DU. Sonst ist dein Ball ziemlich verwirrt und weiss nicht mehr wirklich, in welchem Spielfeld er nun spielen soll.
  • ...wenn du, und nur du die Spielregeln aufstellst. Zu deinem Ball, zu deinem Spielfeld gehören deine Regeln. Fremde Regeln verwirren deinen Verantwortungsball.
  • ...es zu wissen, was du brauchst um dich sicher und geborgen zu fühlen.
  • die Bestätigung, dass du für deine Handlungen einstehst und ihre Folgen trägst. Vertraue darauf, dass die Folgen immer das bestmögliche ist, was dir und deinem Ball passieren kann. Die Folgen sind immer positiv.
  • …die Gewissheit, dass dir bewusst ist, dass die Verantwortung bei dir liegt. Sie will gespürt und wahr genommen werden, deine Verantwortung. Verantwortungsbälle lieben das Spiel, sind gerne aktiv. Also lass sie tanzen, aber lass sie immer wissen, dass du da bist.
  • …das Selbstvertrauen. Verantwortung und Vertrauen ziehen sich magisch an, sie lieben sich mit grosser Leidenschaft. Deine Verantwortung wird ganz wuschig, wenn sie auf Vertrauen stösst…
  • …deine Präsenz. Du bist es, die der Verantwortung das Spielfeld und die Spielregeln zur Verfügung stellt. Also möchte dein Ball dich auch spüren. Deine Sicherheit, deine Freude daran, wie du es liebst, wenn dein Ball um dich tanzt.

Ich wünsch dir von Herzen ganz viel Spass mit deinem Verantwortungsball, ganz egal, ob du ihn im Krankenhaus, zu Hause oder im Geburtshaus zu seinem grossen Finale spielen und fliegen lässt!

verantwortung

 

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