Müssen wir hart zu uns selbst sein?

Ich habe öfters das Gefühl, dass manche  Schwangere besonders hart im nehmen sein will, so dass frau genau so weiter macht, als wäre sie nicht schwanger. Man arbeitet zum Beispiel genau gleich hart und bis zum Geburtstermin weiter, weil man zeigen möchte, dass man nicht krank und besonders taff ist. Kann es sein, dass man sich so die Möglichkeit nimmt, in Frieden zu gebären, da der Körper und der Geist hart bleiben müssen? Dass der Körper alles mitmachen muss, irgendwie? Nimmt man sich so nicht die Möglichkeit, in sich hinein zu horchen und den Bedürfnissen seines Körpers Raum zu geben, ihn weich und entspannt werden lässt um der Schwangerschaft und der Geburt Raum zu geben?

Natürlich kenne ich den Spruch, dass man schliesslich schwanger und nicht krank ist, und glaubt mir, ich bin nicht der Typ Frau, die Schwangerschaft mit einer Krankheit verwechselt. Ich war sehr sehr lange der Auffassung, dass wenn ich meinen „ganz normalen“ Alltag während meinen Schwangerschaften genau gleich oder noch besser bewältige, mich das abhärtet und so zu sagen stark macht für die Geburt. Doch langsam beginne ich die ganze Sache aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Was passiert, wenn wir stress haben? Ganz allgemein. Meistens verkrampfen wir uns und wenn wir nicht auf die Signale von unserem Körper hören haben wir bald mit Rücken- Kopf- oder sonstigen Schmerzen zu kämpfen. Also gilt es doch auch im „normalen Leben“ für sich einen Weg zu finden, um mal wieder runter zu fahren, locker zu werden, zu entspannen. Was heisst das für eine schwangere Frau, wenn sie gestresst ist? Genau,  sie ist auch nicht mehr so locker wie sie sein sollte. Die Symptome verschieben sich. Der Bauch wird hart, erste Vorwehen können sich zeigen, Schwangerschaftsbeschwerden können eintreten.

Entspannung ist das A und das O in der Geburt. Ein entspannter Körper gebärt nachweislich viel einfacher als ein angespannter. In der Entspannung kann Frau dem Körper die Arbeit überlassen, los lassen, Raum geben. Es ist heute bewiesen, das Angst zu Spannungen führt, und Spannungen zu Schmerzen. Also versuchen wir doch einfach, dieses Angst-Spannungs-Schmerz-Syndrom zu durchbrechen. Klingt etwas abstrakt für dich? Kann sein, aber glaube mir, es funktioniert! Ich kann zum Beispiel am besten entspannen wenn ich ganz tief in mich hinein atme. Und so atme und atme ich schon seit einiger Zeit zu meinem Baby, obwohl die Geburt noch nicht sofort ansteht. Die Atmung ist mein persönlicher Anker, mein Tor in meine Entspannung. Sobald ich merke, dass ich angespannt bin und mein Körper hart wird fange ich an in mich hinein zu atmen. Das holt mich wieder auf den Boden. In die Präsenz. Und was ganz lustiges kann ich dabei beobachten: Sobald ich bewusst in mich hinein atme und ruhiger werde, meldet sich mein kleiner Bauchbewohner mit sanften tritten. Ach, ja, da ist ja auch noch wer, hallo meine kleine, Mama ist da! Anker um in die Entspannung zu kommen gibt es ganz viele unterschiedliche, wie zum Beispiel ein Duft, Musik, ein Bild, Affirmationen oder eine Berührung deines Partners.

Ich frag mich oft, ob ein Körper, der während der Schwangerschaft sehr viel Anspannung erlebt hat und hart im nehmen sein musste, sich dann plötzlich unter der Geburt ganz schnell öffnen und entspannen kann. Ich weiss es nicht, ich bin schliesslich kein Experte auf dem Gebiet, aber für mich hab ich raus gefunden, dass ich diese Entspannung schon vorgängig brauch. Um weich zu werden, um weit zu werden, mich öffnen zu können.

herzbauchwerk2

2 thoughts on “Müssen wir hart zu uns selbst sein?

  1. Wer nie lernt sich zu entspannen und immer unter Anspannung und Druck „performt“, muss sich nicht wundern, wenn es eben diese Verhaltensweise auch unter der Geburt an den Tag legt. Viele Frauen meinen, dass sie auch beim Gebären aktiv sein müssen – keine Schwäche zeigen dürfen. Dabei geht es um Entspannung und loslassen zu können. Im Alltag wären diese beiden Dinge aber auch sehr hilfreich – und nicht nur während der Schwangerschaft. Wir müssen heutzutage unbedingt wieder lernen loszulassen, etwas geschehen zu lassen, ohne aktiv es lenken zu wollen.

    Danke für diesen wunderbaren Text!

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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  2. Hui, da habe ich ich aber wiedererkannt! Bloß keine Schwäche zeigen. Allerdings habe ich es unter den Geburten dann wirklich gut geschafft loszulassen. Waren alles unglaublich tolle Erlebnisse… Trotzdem im Nachhinein hätte ich mir mehr Entspannung- und Genußphasen erlauben sollen…
    Herzliche Grüße
    Katja

    Gefällt 1 Person

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