Die Geburt, mein Mann, der Superheld und ich…

Ich habe ab und zu den Eindurck, dass es einige Schwangere gibt, die ihren Wunsch zu Hause oder im Geburtshaus zu gebären ihrem Partner zu liebe wieder begraben. Ich gebe es zu: es ist auch  ein grosses Thema in meiner Beziehung. Für meinen Mann ist eine Hausgeburt ein Nogo. Wenn ich ihn darauf anspreche, wieso das so ist, dann reagiert er ziemlich irrational (meiner Meinung nach, er sieht das wahrscheinlich etwas anders). Ich habe nun schon einige Mamas oder Schwangere getroffen, die auch sehr gerne in den eigenen vier Wänden oder im Geburtshaus geboren hätten, das jedoch aus Rücksicht zum Partner gelassen haben.

Ich weiss, das Thema ist ein delikates. Aber es beschäftigt mich. Ich kann mich sehr gut damit arrangieren, dass wir ins Geburtshaus gebären gehen, denn unser Geburtshaus ist toll, meine Hebamme ist noch toller und wird uns zur Geburt begleiten. Und wer meinen Blog über den Geburtsort gelesen hat, der weiss, dass für mich der Ort, wo wir gebären nicht an vorderster Stelle auf der Prioritätenliste für eine selbstbestimmte Geburt steht. Wichtiger scheint mir, dass die Schwangere den richtigen Geburtsort in ihrem Inneren findet. Schwangere müssen für sich selber heraus finden dürfen, wo sie diesem inneren, magischen Raum so zu sagen am besten raum geben können. Mich beschäftigt viel mehr die die Frage, weshalb manche Männer so eine grosse Abneigung gegen Hausgeburten haben, und weshalb wir Frauen dann klein bei geben und unsere Wünsche dem Partner zuliebe zurück stecken.

Ich hab das Buch Meisterin der Geburt von Jobina Schenk gelesen, es hat mich sehr inspiriert, ich finde es wundervoll. Die Autorin berichtet darin über ihre zwei Alleingeburten Zuhause und gibt tolle selbstcoaching Tips für mehr Geburtslust und Selbstermächtigung.  Sie hat etwas sehr schön erklärt in ihrem Buch (ich hoffe, ich werde es jetzt ganz richtig weiter geben, sonst entschuldige bitte Jobina!): nehmen wir an, du lebst in einem Dorf, wo 100 Frauen geboren haben. Von diesen 100 Frauen haben 92 mit Interventionen unter Schmerz geboren. Du und 7 weitere Frauen gehören zu der kleinen Gruppe, welche eine schmerzfreie, interverntionslose, wunderschöne Geburt erlebt haben. Welche Gruppe ist nun mächtiger? Welcher wird mehr Glauben geschenkt, dass es doch so nötig ist, unter besten medizinischen Voraussetzungen zu gebären, weil Schmerz und Leid einfach zum Gebären dazu gehören?

Auch unsere Männer werden von diesen 92% beeinflusst, nicht nur wir Frauen. Was mich traurig stimmt ist die Tatsache, dass es sich für mich so anfühlt, dass mein Mann mir diese 8% nicht zutraut,  nachdem wir schon eine interventionslose, wunderschöne (Krankenhaus)Geburt zusammen erlebt haben. Oder liegt es an etwas anderem? Kann es sein, dass da doch noch ein paar Ängste in diesem starken, selbstbewussten Mann stecken? Neeeeiiiiin, Männer haben keine Angst! Oder doch??? Ich hab schon von Männern gehört, die bei der Geburt ihrer Kinder Todesängste ausgestanden haben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass für Männer so eine Geburt ziemlich stressig sein kann. Männer sind Macher. Problemlöser. Die handeln gern. Da scheint mir neben der Frau sitzen und nix tun können eine ziemlich grosse Herausforderung für die Herren. Im Krankenhaus sind da wenigstens noch ein paar Leute, die was tun können, die was machen und die wissen, was sie tun. Oder?

Hm, ja das ist mir alles klar, geht in meinen Kopf, kann ich verstehn, find ich nachvollziehbar. Nur welchen Platz nehme ich jetzt ein in dieser Konstellation, dieser Situation? Gebe ich klein bei und geh mit ihm ins Geburtshaus (was ja immer noch die bessere Option ist als das Krankenhaus), oder geh ich in den Kampfmodus und kämpf für meine Hausgeburt? (Wobei ich gefühlt gegen 92 Personen kämpf, die nicht auf meiner Seite sind). Ich kämpf nicht so supergern, ist mir etwas zu anstrengend. Und ich lass gerne den Menschen ihre eigene Wahrheit, solange sie mir meine lassen. Vielleicht find ich doch noch einen sanften Weg, dass die Wahrheit von meinem Mann sich verschieben darf, in Richtung 8er Gruppe, dann wären wir ja 9, oh das wär schön! So lange sehe ich mich in meiner eigenen Wanne in unserem Badezimmer gebären und ernenne meinen Mann zum Superhelden! Was er ja eigentlich schon ist für mich, nur gegen Superhelden anzukommen braucht Superheldinnen Kräfte. Gestehe ich mir die selber ein?

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6 thoughts on “Die Geburt, mein Mann, der Superheld und ich…

  1. Danke dir für diesen wundervollen Text ❤ ❤ ❤ !!!!
    Es ist tatsächlich eine entscheidende Frage, inwieweit der Mann (mit)bestimmen sollte, wo das Baby geboren wird. Wir hatten hier eine ähnliche Situation, nur dass ich für das Geburtshaus kämpfen musste, nach einer Not-Sectio mit anschließender Intensivstation bei Kind 1. Mein Mann war verunsichert – traumarisiert. Uns hat geholfen, dass er "meine" Bücher auch lesen musste. Er sollte auf dem gleichen Stand sein wie ich. Das hat geholfen. Heute wäre alles außer einer Hausgeburt für ihn unvorstellbar. Vielleicht ist mein Mann sogar so weit, dass er mir eine Alleingeburt zutrauen würde???? Wer weis? 😉
    Das Geburtshaus war unser gemeinsamer Schritt in die richtige Richtung. Er hatte seine "Mindestsicherheit" und ich hatte durch die "Hands-Off-Geburt" eine "kleine Alleingeburt", wie ich immer sage 😉 Aber mein Mann hat dort, während der Geburt erkannt was seine "Aufgabe ist: NICHTS tun – zu schauen, geschehen lassen, Gast sein, Beobachter, das Fest der Geburt genießen, passiv sein, mich machen lassen, vertrauen, loslassen… Das war das größte Geschenk, dass er mir machen konnte. Ich freue mich schon auf ein nächstes Kind – er auch, da wir beide unseren Platz während der Geburt gefunden haben. Das hat uns als Paar sehr weit gebracht. Ich kann dir nur wünschen, dass du deine Traumgeburt bekommst, die du dir wünscht. Was ist eigentlich gefährlicher zu Hause als im Geburtshaus?
    Ich blogge gerade über meine 2. Geburt – Teil 1 ist schon raus 🙂 vielleicht lässt du dich ja inspirieren ❤ Es würde mich freuen! Vielleicht schreibt mein Mann ja auch noch mal aus seiner Sicht, könnte dann ja was zum Lesen für deinen Mann sein 😉 …
    Deinen Blog finde ich übrigens wahnsinnig toll und deine Texte sprechen mich an. Viele deiner Gedanken sind auch meine.

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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