Warnung vor dem freilaufenden Geburtsfreak…

Kann es sein, dass ich zu den Freaks gehöre? Langsam mach ich mir ernsthafte Sorgen um mich selbst…  Tauchen wir zuerst mal in die Wortdefinition des Freaks ein: laut Internet ist ein Freak  eine Person, deren Lebensweise von dem als normal empfunden abweicht. Hm. Naja, was normal ist und was nicht liegt ja ziemlich im Auge des Betrachters.

Also wenn ihr mich so fragt, find ich mich ziemlich normal. Mit ein paar wenigen Ausnahmen, aber die sind meines Erachtens nicht der Rede wert. Und doch treffen mich immer mehr diese ungläubigen Blicke meiner lieben Mitmenschen, wenn ich von Hypnobirthing, Geburtshaus, Hausgeburt oder Alleingeburt erzähle, wenn ich begeistert davon spreche, wie toll ich die Frauen find, die zu Hause bleiben für die Geburt.

Das erste Mal, als ich damit konfrontiert wurde, wahrscheinlich etwas von der Norm abzuweichen war die Tatsache, dass eine mir ganz nahe stehende Person erklärt hat, dass ich grün und esotherisch bin. Das ist nun schon etwa vier Jahre her, und wenn ihr mich fragt, bin ich heute noch viiiiiel grüner und esotherischer als je zuvor, hihi 😉 Denn ich bin eine Stoffwindel wickelnde, ins Schwangerschaftsyoga gehende Mama, trinke Wasser, welches in Rosenquarz ruht und öle mich mit Kokosöl ein. Aber wisst ihr was? Ich find mich total ok so wie ich bin, noch nie hab ich mich so gut gefühlt.

Ich glaube auch, die Sache mit der Esotherik wird sehr oft falsch verstanden. Ich komm nochmals mit einer Wortdefinition: Esotherik ist eine Geheimlehre, oder bestimmte religiöse, mystische oder philosophische Riten, Ideen und Gebräuche, die nur für Eingeweihte zugänglich sind. Aha. Also so geheim find ich Yoga nicht, und eingeweiht muss frau auch nicht sein um ein paar Mantras zu chanten oder mit Stoffwindeln zu wickeln. Ah stop, was die Sache mit den Stoffwindeln angeht, das könnte noch hin kommen mit dem esotherischen, weil das gibt es ziemlich viel, was man darüber wissen sollte, damit alles schön dicht hält. Moment, jetzt darf ich nicht vom Thema ablenken, entschuldigung, ich schreib ein anderes Mal über mein EsoStoffwindelDasein, versprochen! (Und schon zeigt sich mir die erste Erkenntnis des Tages: Stoffwindeln sind also nicht grün, sondern esotherisch, hihi)

Meine Frage für heute lautet: Muss ich denn erstmal in eine Geheimlehre eingeweiht werden, wenn ich im Geburtshaus oder in meinen eigenen vier Wänden entbinden möchte? Ist das selbstbestimmte, kraftvolle Gebären eine geheime Wissenschaft, welche nur den Freaks unter uns vorbehalten ist? Sowas ähnliches wie wenn ich über brennende Kohlen  laufen würde? (und genau DAS meine Lieben hab ich mich noch nie getraut, vielleicht bin ich doch normaler als ihr denkt!). Manchmal macht es mir den Eindruck, als wäre das so. Logisch, dass es einige unter uns gibt, die keine Lust auf einen Kohlelauf haben, oder schon über Kohle geloffen sind, und sich nicht getrauen, darüber zu reden, weil sie ja sonst mit grossen Augen angeschaut werden?

Langsam wird mir einiges klar. Kann es sein, dass sich viele Frauen vor der Möglichkeit, anders zu gebären als die Norm vorgibt verschliessen, weil sie sich etwas anderes gar nicht zutrauen? Weil es nur den Eingeweihten vorenthalten ist? Weil wir keine Freaks sein wollen? Hypnobirthing, pffff, was soll denn das, um solche Sachen anzuwenden scheint es für viele ein gewisses Mass an Verrücktheit zu brauchen. Ein lieber Kollege von mir hat mir erst gerade letztens erklärt, dass seine Frau jetzt eine Hexe sei, da sie eine Hypnoseausbildung absolviert hat. Hihi, ja, Teufelszeug, das hat mich schon immer magisch angezogen!

Muss ich denn zwangsweise einen an der Klatsche haben, um gebären toll zu finden? 

Meine lieben Frauen da draussen, sind wir nicht alle ein kleines bisschen freaky? Weshalb sollten wir gegen diesen inneren Freak ankämpfen, würde es uns nicht viel besser gehen, wenn wir ihn mal raus lassen würden? Uns mit ihm an einen Tisch setzen würden, unsere Ohren spitzen und lauschen, was er denn so zu erzählen hätte? Das würde uns vielleicht ganz neue (Geburts)Welten eröffnen. Machen wir doch einfach den Freak zu unserem Freund, lassen das Tier in uns raus, diese Urkräfte, die in uns schlummern. Und dann schaun wir mal, was der Freak denn so will von uns. Und nach einem langen, intensiven Gespräch finden wir vielleicht raus, dass der Freak gar nicht so verrückt ist, sondern ein ganz liebenswertes Wesen, das einfach nur in Ruhe, selbstbestimmt und nach seinem eigenen Cousteau gebären möchte, um seine sanfte Seite zeigen und leben zu können.

Was würde wohl passieren, wenn es in den Krankenhäusern nur noch Geburtsfreaks geben würde, die in den Kreissaal kommen, um sich auszuleben? Um selbstbestimmt zu gebären? Die keine Lust hätten auf Intervention, Bevormundung und gut gemeinte Ratschläge? Vielleicht würde sich was ändern, vielleicht auch nicht, ich hab keine Ahnung, nur eines will ich sagen, bitte lässt euch nicht zum Freak erklären, wenn ihr eure Wünsche äussert, oder besser gesagt, lasst es euch egal sein, lebt den Freak in euch, denn genau die Freaks braucht es auf der Welt, um sie zu einem besseren Ort zu machen!

Mein kleiner Geburtsfreak und ich, wir verstehen uns schon prächtig. Haben uns einen Plan ausgearbeitet, freuen uns auf unseren Feuerlauf. Jetzt müssen wir nur noch schauen, dass da der Papa auch mitläuft, über die heissen Kohlen. Ich glaube, ich muss ihm mal meinen Freak vorstellen, damit auch er erkennen kann, dass dieser eigentlich ganz liebenswert und brav ist. Der will nur ein bisschen spielen… 😉

Freak

Warnung vor dem freilaufenden Geburtsfreak! Unvorsichtiges Nähern auf eigene Gefahr!

 

 

 

 

5 thoughts on “Warnung vor dem freilaufenden Geburtsfreak…

  1. Danke für diesen wunderbaren Text!!!! ❤
    Ich habe herzlich gelacht, trotz des eigentlich ersten Themas. Wenn du ein Freak bist, was bin dann ich? 😉 Ich würde uns eher als Gebärgöttinnen bezeichnen wollen… ❤ Wir sind dabei etwas Uraltes wieder neu zu entdecken: unsere weibliche Gebärkraft! Uns wohnt ein Wissen über die Geburt inne, dass in keinem Buch steht – ein Jahrtausend altes Wissen. Wir müssen nur wieder lernen darauf zu hören und zu vertrauen. Dann werden wir wieder selbstbestimmt gebären können.

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    Gefällt 2 Personen

  2. Super Foto 😀
    Ich bekenne mich jetzt hier auch mal zum Geburtsfreak 🙂 Macht mir aber persönlich nicht viel aus, da ich es (wie Du :D) schon gewohnt bin von der Norm abzuweichen (Veganer, autofrei, AP und so weiter). Macht doch auch Spaß, anders zu sein als alle anderen – mir jedenfalls 😉 Auch wenn ich es schlussendlich toll finden würde, wenn mehr Frauen es uns gleich tun.

    Danke für den tollen Artikel und liebe Grüße,
    Susanne

    Gefällt 1 Person

  3. Dann muss ich wohl auch ein Geburtsfreak sein: ich habe zwei Kinder im Geburtshaus und eines zuhause auf die Welt gebracht. Ich konnte jede Geburt genießen, (die erste noch am wenigsten) und hatte beim dritten Mal eine schmerzfreie Geburt (ohne Hypnobirthing).
    Als ausgebildete Medizinerin habe ich allerdings Freunde, die mich schon für den Gang ins Geburtshaus als unverantwortlich und verblendet bezeichnet haben.
    Da bin ich dann doch gern einfach nur ein Freak….

    Gefällt 1 Person

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