Die letzte Nacht im Babybauch?

Je näher mein Geburtstermin rückt, desto spannender wird jedes zu Bett gehen. Ich frage mich beim Einschlafen jedes Mal, ob das wohl deine letzte Nacht in meinem Bauch sein wird, liebes Baby. Ich frag mich, wie viele Nächte wir gemeinsam noch auf diese Art und Weise verbringen werden. Die Antwort liegt in den Sternen.

Wie gerne würde ich mich an die Zeit im Mutterleib zurück erinnern können. An dieses geborgene Wachsen im warmen, süssen Fruchtwasser. An diese Ruhe. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das einfach nur schön sein muss, in dieser Fruchtblase sein eigenes, kleines Weltchen zu haben.

Und dann, irgendwann ja irgendwann wachsen wir wahrscheinlich aus diesem engen Raum heraus und müssen uns entscheiden, neue Wege zu gehen. Voran zu schreiten, weiter zu gehen. Die einen gehen ein bisschen früher, weil sie besonders mutig sind, die anderen lassen sich lieber noch ein Weilchen Zeit. Oder wir werden plötzlich aus unserem geborgenen Daheim hinaus gerissen. Ruckartig. Eh wir es versehen, finden wir uns in dieser kalten Welt, umgeben von kühler Luft, die wir plötzlich durch unsere Lungen einatmen müssen.

Ich frage mich, wann mein Baby den Startschuss geben wird. Oder ist das nur Humbug? Können Babys überhaupt Einfluss nehmen auf ihre Geburt? Wahrscheinlich ist das eine Streitfrage, weil bis heute noch niemand genau beweisen konnte, wer genau die Geburt einläutet, der Körper der Mama, oder vielleicht sogar das Baby selbst.

Ich denke mal, es sind beide Parteien  zu 50% an einer Geburt beteiligt.

Ich bin bereit. Und freue mich. Ich bin bereit los zu lassen, der Geburt den Raum zu geben, den sie braucht. Bereit und gespannt darauf, wie sich mein 3. Kind auf den Weg machen wird. Ich spüre da eine kleine Zurückhaltung. Auf die eine Seite glaube ich, freut sich dieses Wesen unglaublich auf diese Welt, auf die andere Seite ist da noch diese Unsicherheit, und das Bedürfnis, noch ein bisschen in diesem engen kleinen Weltchen zu bleiben. Was das für mich bedeutet, ist die Tatsache, dass ich immer wieder von ziemlich heftigen Vorwehen besucht werde, die teilweise sogar schon regelmässig sind, mich dann aber wieder urplötzlich verlassen, anstatt dass sie mehr werden.

Das Feuer fehlt! Die Zündschnur ist noch nicht angemacht, die Kettenreaktion kann so nicht in Gang gesetzt werden.

Was kann ich tun? Nicht gerade viel. Ich hab auch gar keine Lust dazu, irgendwas zu tun. Ich vertraue. Meinem Kind, meinem Körper. Dass alles so richtig ist wie es ist. Und ich übe mich in Geduld. Oh ja, mein liebes Baby, du zeigst mir jetzt schon eine kleine Lektion an Geduld üben. Und ich merke, dass ich einfach nur Ruhe brauche. Ruhe, um bei mir, bei uns anzukommen. Also versuch ich nicht zu werten und nehme jeden Tag so, wie er kommt.

Ich glaube, an der Art und Weise, wie wir geboren werden, können wir schon sehr viel von unserem Charakter ableiten. 

Bei meinen ersten beiden Kindern trifft das jedenfalls zu. Meine Tochter zum Beispiel ist eine Draufgängerin. Eine kleine Pippi Langstrumpf (sie läuft auch gerne durch unser Wohnzimmer und singt dabei, dass sie Pippi Langstrumpf ist). Und genau so ist sie auf die Welt gekommen. Ich hatte in der Schwangerschaft normale Vorwehen, ab und zu einen harten Bauch und eines Morgens im Bett wusste ich, dass es langsam los gehen wird, weil da dieses unbekannte Ziehen plötzlich da war. Den ganzen Vormittag haben wir es gemütlich genommen bei uns zu Hause und sind um 13.30 im Krankenhaus eingetroffen. Um 17.28 war sie auf der Welt. Eine wunderschöne, selbstbestimmte, intervientionslose Geburt im Spital. Mit tanzender Belegshebamme.

Wenn man einmal eine so tolle Geburt erlebt hat und weiss, dass frau so kraftvoll, sanft und selbstbestimmt gebären kann, dann macht das einem unglaublich stark. Aber es kann auch einen gewissen Druck ausüben. Weil man weiss, dass man kann, und man will unbedingt wieder genau das (oder noch besser) erreichen. Und genau das ist mein Thema im Moment. Ich muss mir den Druck weg nehmen. Akzeptieren, dass dieses Kind und diese Geburt wieder anders sind. Akzeptieren, dass da andere Regeln gelten bei den restlichen 50%, die an dieser Geburt beteiligt sind.

Absolutes Loslassen und Einlassen ist angesagt. Also versuch ich, meinen Kopf frei zu machen. Frei von gewissen Vorstellungen und Bewertungen. So, dass wir beide eine neue Geburtsgeschichte schreiben können.

Und so freu ich mich, freu mich auf diese neue Reise, auf das Abenteuer danach mit Baby Nummer 3. Und jedes Mal, wenn ich einschlafe, stell ich diese eine Frage: ist es wohl die letzte Nacht für dich in meinem Bauch? Falls ja, geniesse sie, ich freu mich auf dich!

2 thoughts on “Die letzte Nacht im Babybauch?

  1. Liebe Tanja,

    wieder so ein toller Text, der mir aus der Seele spricht. So viele Gedanken beschreibst du hier, die ich selbst hege und an die ich auch glaube. Ich denke ebenfalls, dass die Geburt von Mutter und Kind gemeinsam gestartet wird. Das Kind hat die „Kontrolle“ und „Vorherrschaft“ für den Innenraum, während die Mutter hingegen den Außenraum – die Umwelt – beobachten kann und einschätzt, ob die Gegebenheiten optimal für eine kommende Geburt sind. Gibt einer der beiden das Startsignal, gibt es immer eine Gegenfrage an den „Copiloten“. Nur wenn der sein ok gibt, dann startet die Geburt wirklich. Davon bin ich ganz tief in meinem Herzen von überzeugt. Nur ein doppeltes OK, lässt eine Geburt geschehen.

    Auch die Aussage, dass die Art und Weise, wie wir geboren werden , was über unseren Charakter aussagt, kann ich nur zustimmen. Aber hier ist immer die Frage nach dem Huhn und dem Ei… Ist die Geburt so verlaufen, weil das Kind solch ein bestimmtes Temperament hatte, oder bekam das Kind dieses bestimmte Temperament, weil es eine solche Erfahrung während der Geburt gemacht hat. Eine Geburt ist eines der elementarsten Erfahrungen in unserem Leben. Nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Kind, insbesondere für das Kind. Ich glaube daran, dass ein Kind durch seine Geburt geprägt wird, in dem Sinne, wie es im späteren Leben sich bei „Problemlösungen“verhält. Die Geburt ist die erste große Hürde im Leben eines jeden Menschen. Wie wir damit umgehen, prägt unser gesamtes späteres Leben. Ich habe zu Hause die lebenden Beweise sitzen und bin immer wieder erschrocken darüber, wie krass die Art der Geburt doch den Charakter formen kann.

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Tanja,
    Ich frage mich in letzter Zeit auch vermehrt wie ich mich wohl auf meine dritte Geburt einstellen werde. Ich bin noch nicht schwanger, aber ich weiß jetzt schon, dass es schwer wird nach einer traumhaften zweiten Geburt nicht zu viel Druck zu machen und zu viel zu erwarten.
    Danke für deinen reflektierten Artikel und alles gute für die Geburt
    Susanne von Meinetraumgeburt 🙂

    Gefällt 1 Person

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