Die Welt mit den Augen eines Kindes sehn…

Was passiert, wenn man an einer Hochzeit eine Fotokamera einem Kleinkind in die Hände drückt? Ganz viel Erstaundliches.

Als wir am letzten Freitag an der Hochzeit meines Schwagers waren wurde es unserem Sohn ziemlich schnell langweilig. Mein Mann drückte ihm nach einer kurzen Einführung in die Welt der Fotografie  unsere kleine Fotokamera in die Hand. Wir haben uns dabei nicht viel gedacht und noch viel weniger erwartet.

Unser Sohn war den ganzen Tag mit Fotografieren beschäftigt. 400 Fotos fanden wir auf dem Speicher.

Sie haben uns umgehauen.

Es war total spannend die Bilder anzusehen. Wir fühlten uns plötzlich selber wieder wie Kinder, denn wir sahen die Welt aus der Perspektive eines Dreijährigen. Zu unserem Erstaunen waren echt viele tolle Bilder darunter.

Sie haben mich in die Welt von meinem Sohn katapultiert. Da fotografierte er ein Blümchen, dort die Landschaft hier einen Popo, da ein Blättchen, dort wieder ein Popo. 😉 Wir fanden ziemlich viele Bilder von Hintern und machten uns einen Spass am Hintern raten, hihi… Erwachsene sind für so ein kleines Kind ganz schön gross wurde mir bewusst. Und mir wurde klar, wie wichtig es ist, sich zum Kind hinunter zu bücken, um mit ihm zu kommunizieren, den sonst redet es nur mit Beinen.

Als ich so in seine Welt eingetaucht bin, stellte ich mir eine kleine Frage: Laufen wir nicht alle mit einer Fotokamera in der Hand durch die Welt? Jeder setzt seinen Fokus auf etwas anderes. Stellt andere Gegenstände auf scharf, belichtet gewisse Sachen mehr oder weniger. Die Welt draussen bleibt die gleiche. Was unterschiedlich ist, ist der Fotograf. Und der Fotoapparat. Manche haben einen Weitwinkel, manche haben einen Filter darauf. Die einen fotografieren lieber Menschen, andere lieben Bilder aus der Natur. Die Einen mögen Schnappschüsse, die Andern machen das Fotografieren zum Beruf, ganz professionell.

So sehen wir alle unsere Welten ganz anders. So trägt jeder von uns eine andere Kamera in den Händen. Vorallem unsere Kinder. Urteile nicht über jemand anderen, bevor du nicht seine Welt durch seine Kamera, in seinen Bildern gesehen hast. Könnte ein schlauer Spruch lauten.

So tauch ich ein in die Welt von meinem Sohn und bin immernoch ganz fasziniert, was dabei raus gekommen ist. Bin fasziniert, wohin er den Fokus gelegt hat in dieser grossen weiten Welt, in diesem Hochzeitsgetümmel. Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich ihn im Gedanken hör wie er „tsssiiiiiiissss“ sagt und einem zum Lachen auffordert. Dieser kleine Mann, für den die Welt ganz gross scheint.

Die Kamera haben wir ihm geschenkt. Und wir freuen uns schon auf neue Bilder. Freuen uns auf den Moment, wo mein Mann und ich am Computer seine Bilder anschauen und ein bisschen in seine Welt eintauchen dürfen.

Ich bin dankbar für diese Idee. Und es wird mir wieder bewusst, dass wir alle die Welt mit anderen Augen sehn. Wenn wir das verstehen und akzeptieren können, dann öffnen wir uns für ganz andere Dimensionen.

Vielleicht lernen wir dann eine neue Einstellung an unserer Kamera, verstellen unseren Fokus, schalten mal von Makro -auf Panoramamodus. 

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