Ich habe diesen Traum…

Ich sitz gerade so da vor dem Bildschirm, mit dem Baby an meiner Brust und versuch ziemlich mühsam mit der linken Hand diesen Text hier zu schreiben. Es hat sich so ziemlich eingespielt unser Leben zu fünft, ich geniesse es nochmals ein Baby haben zu dürfen. Und doch merk ich, dass da ein Stückchen mehr von meiner Freiheit weg ist.

Alles wird wohl ein wenig schwieriger zu organisieren sein. Drei Kinder unter zu bringen ist nicht so einfach. Mir ist klar, dass ich nicht mehr in ein zahntechnisches Labor arbeiten gehen kann. Das Geld, das ich dort verdienen würde, würde gerade mal reichen um die KiTa von meinen Kindern zu bezahlen. Ich kann nicht nichts tun, das ist mein Problem. Ich weiss, Mama von drei Kindern zu sein ist schon ziemlich viel, und das bin ich mit Herzblut, aber ich muss noch etwas tun für MICH.

Dieser Blog zu starten war der erste Schritt. Ich hab mich zum allersersten Mal daran gewagt, eine eigene Homepage selber zu machen, hab angefangen zu zwitschern (mit dem twitterding werd ich aber glaube ich nicht so warm). Und ich hab angefangen zu schreiben, mich zu zeigen. Ich merk, wie mich das erfüllt, wie viel Spass es mir macht. Ich hab dadurch so viele tolle Frauen kennen gelernt, das ist ein wahres Geschenk.

Ich merke, da draussen ist ein Umbruch im Gange. Es gibt so viele wunderbare Frauen da draussen, die gerade schwanger sind oder frisch Mama geworden sind und die so fühlen wie ich. Frauen, die spüren, dass da noch mehr ist. Dass da in der Schwangerschaft nicht bloss ein Kind im Bauch wächst. Dass Geburt nicht bloss ein Akt des EntbundenWerdens ist. Es gibt so viele Frauen, die spüren, dasssie ihren eigenen Weg gehen möchten. Sie spüren das ganz tief in ihrem Herzen. Nur wie sieht dieser Weg denn aus? Ist er denn richtig? Was ist richtig und was ist falsch? 

Das hab ich mich immer und immer wieder gefragt, als ich schwanger war. Das frage ich mich immer und immer wieder heute, wo es darum geht, meine Kinder zu „erziehen“. Es gibt so viele Ratschläge, Meinungen, Einflüsse. Das kann sehr verwirrend sein. Es gilt auszusortieren, nur wie??? Fragt man 100 Frauen, wie man am besten gebären soll bekommt man sicher 100 verschiedene Meinungen zu hören. So scheint es mir. Und wer kann mir garantieren, dass genau das, was ich brauch in einer dieser 100 Meinungen auch vertreten ist? Niemand. Das scheint mir das Dilemmazu sein. Wir suchen und suchen nach Hilfe und Halt im Aussen und finden sie nicht, weil wir nicht bei uns sind. Im schlimmsten Fall stülpen wir uns ein Erfolgskonzept über, das gar nicht zu uns passt. Das fühlt sich dann so an, als würden wir 1000 Kilometer in den Wanderschuhen von jemand anderem gehen. Wir kommen zwar vorwörts, aber irgendwie passt die Grösse nicht ganz und irgendwo drückt immer der Schuh. Unser Weg wird also zienlich mühsam und holperig, denn es ist nicht unser Weg, es sind nicht deine Schuhe.

Was gibt uns denn Orientierung in dem ganzen Meinungs- und Expertenchaos? Unsere innere Stimme. Sie weiss genau, was wir brauchen, was wir wollen, welchen Weg wir gehen wollen, welcher Schuh am besten passt.

Und wie können wir dieser Stimme ein Gehör verschaffen? Indem wir versuchen, in uns hinein zu fühlen. Das berühmte Bauchgefühl. Seit ich Mama bin, verlass ich mich noch viel mehr darauf. Ich hab keine Ahnung, welcher Entwicklungsschritt als nächstes bei meinen Kindern ansteht. Ich fühle einfach in sie hinein, und mein Gefühl sagt mir, dass alles so in Ordnung ist.

Und so mach ich es auch mit den vielen Informationen und Möglichkeiten in diesem Leben. Ich lass mich inspirieren von den tollen Mamas da draussen. Lese ihre Blogs, ihre Bücher, ihre Ratschläge. Und fühle immer wieder in mich hinein: passt das für mich? Ist das auch meine Wahrheit?

Was für eine Mama will ich sein? Ich will keine Vorzeigemama sein. Ich bin keine Powermama und auch keine Businessmama. Ich bin ich. Ich bin der Manager in diesem FünfPersonenChaos und versuch zu schauen, dass jeder hier seinen Platz findet. Auch ich. Manchmal stinkts mir auch. Ziemlich gewaltig sogar. Dann reagier ich nicht so wie ich wollte, dann ärger ich mich über mich selber. Aber auch ich bin da zum Lernen, ich darf mich verändern, darf auf mein Gefühl vertrauen. Solange die Verbindung zu meinem Bauchgefühl noch da ist, ist alles in Ordnung. Kinder sind Weltmeister im spiegeln. Wenn bei uns Chaos herrscht sind meistens nicht die Kinder daran schuld. Ich fühl mich dann in mich hinein und oft merke ich, dass ich auch aufgewühlt bin. Werde ich ruhig, beruhigt sich auch mein Aussen. So einfach ist das. In der Theorie. Wir können nicht immer in unserer Mitte sein, aber wir können versuchen, so oft es geht in die Präsenz zu gehen, voll und ganz da zu sein und uns zu spüren. Wenn wir wissen, was wir wollen und brauchen, dann können wir auch ganz schnell verändern. Heilen. Wir müssen nichts anderes als da sein. Voll und ganz. Im JETZT. Auch als Mama.

Eine Schwangerschaft ist so schnell vorbei, Kinder werden so schnell gross. Mutter zu werden und zu sein ist ein enormer Veränderungsprozess bei jeder Frau. Nutzen wir diese Zeitfenster, um ganz tief in sie hinein zu tauchen. Wer bin ich? Ich versuche jeden Augenblick einzusaugen. Irgendwann ist dieser Lebensabschnitt nämlich vorbei. Dann brauchen mich meine Kinder nicht mehr in dieser Form. Dann ist es an der Zeit, mich wieder zu verändern, und doch bleib ich gleich. Meine Aufgabe ist dann eine andere.

Und was ist mit meinem Traum? Ich wünsche mir, ganz viele Mamas begleiten zu dürfen in der Schwangerschaft, im Mama sein. Ohne Ratschlag. Denn meine Wahrheit muss nicht deine sein. Ich möcht dir den Weg und das Vertrauen zu deinem Bauchgefühl zeigen. Wie ich das machen werde? Das weiss ich noch nicht so ganz genau, aber ich bin mir sicher, mein Herz weist mir den Weg. Ich bin einfach einmal da. Ganz präsent. Für dich.

Ich hab euch lieb da draussen, danke, dass ihr mir zuliest, eure Tanja 😉

 

5 thoughts on “Ich habe diesen Traum…

  1. Liebe Tanja,

    ich kann mit vollem Herzen diesen, deinen Text unterschreiben! Ich empfinde genau SO!
    Ich weiss auch noch nicht wohin meine Reise gehen wird, aber ich habe mit meinem Blog einen Anfang gemacht – mich gezeigt, Rückmeldung bekommen, Resonanz bekommen, Gleichgesinnte gefunden.

    Ich hoffe, wir werden auf unserer „Reise“ noch häufig den Weg kreuzen, da ich denke, wir inspirieren uns auch gegenseitig – zumindest hoffe ich das 😉 ! Also Du inspirierst mich immer ❤ Danke dafür! ❤

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    Gefällt 1 Person

      1. Ach liebe Tanja ❤

        Du bist mir auch ans Herz gewachsen! Wir müssen uns unbedingt mal treffen! Wegen dir würde ich tatsächlich mal eine Ausnahme machen und mich in die "Berge" verirren 😉 …. ❤

        Liebe Grüße
        Mother Birth

        Gefällt 1 Person

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