BlogReihe: Was haben Glaubenssätze mit Unkraut gemeinsam?

Sie sind ganz tief in unseren Hirnen verwurzelt, können sich breit machen wie unliebsames Unkraut und manche von ihnen können uns über Jahre, ja sogar das Leben lang beeinflussen und limitieren: unsere Glaubenssätze.

Zu diesem Artikel wurde ich inspiriert als ich gerade dabei war, in unserem Garten zu jäten. Ehrlich gesagt mag ich diese Arbeit gar nicht. Unkraut ist etwas, das mich unglaublich fest aufregt. Es ist etwas so super unnötiges, es scheint bei uns manchmal über Nacht im Expresstempo zu wachsen. Plötzlich ist es da. Lange Zeit sieht der Garten ok aus, aber dann, plötzlich scheint es, wacht man auf und erkennt überall diese ungebetenen Pflanzen, die überhandnehmen.

Es dauert für mich jeweils eine gefühlte Ewigkeit bis ich  meinen Garten wieder vom Unkraut befreit hab. Als ich mich letztens  mit dem Unkraut abmühte und mir dabei über Glaubenssätze Gedanken machte, wurden mir so einige Dinge bewusst:

1. Erkenntnis: Wir brauchen negative Glaubenssätze im Leben so wenig wie wir Unkraut in unserem Garten brauchen.

An und für sich sind Glaubenssätze eigentlich nichts schlimmes, sie gehören zu unserem Leben dazu. Sie beeinflussen uns. Und wir werden ja ständig beeinflusst vom Aussen, ob wir das wollen oder nicht. Sie können uns Werte weiter geben. Vom ersten Atemzug an werden wir von Glaubenssätzen voll gespickt. Sie machen ein Stück weit unsere Persönlichkeit aus. Es gibt einfach einen kleinen Haken: es gibt positive und negative Glaubenssätze.Wenn ich von Glaubenssätzen in diesem Artikel schreib dann mein ich die negativen, die, die uns limitieren und nicht zu uns gehören.

Es gibt Glaubenssätze die zu uns gehören und solche, die wir einfach so übernommen haben, weil wir nur diese kennen, uns noch nie Gedanken darüber gemacht haben, ob wir sie brauchen, ob sie sogar zu uns passen. Wir haben es nie gewagt, den jeweiligen Glaubenssatz in Frage zu stellen oder neu zu formulieren, weil wir ihn als Wahrheit übernommen haben. Aber ist er für uns auch so wahr und gegeben wie für die Person, die uns diesen Glaubenssatz eingepflantz hat?

2. Erkenntnis: Erst wenn wir die Glaubenssätze als solche erkennen können wir sie auch ausmerzen. 

Manche negativen Konditionen können wir sehr lange Zeit nicht erkennen. Wenn zum Beispiel unser Umfeld denselben kollektiven Glaubenssatz in uns trägt wie wir, dann kann sich dieser hinter ganz vielen Menschen verstecken und sich ungehindert ausbreiten. Wenn mir zum Beispiel meine Kinder im Garten helfen, dann zupfen sie auch die nützlichen Pflanzen aus, weil ihnen der Unterschied zwischen Unkraut und „guter“ Pflanze noch nicht bewusst ist. Wenn wir also einen Glaubenssatz nicht erkennen können, können wir ihn auch nicht aus unserem System ausreissen. Viele Glaubenssätze haben das erkannt und sind Meister der Tarnung geworden. Sie sind schon wie Parasiten und haben ihren Hirt (also uns) total im Griff. So fest sogar, dass manche von uns sie voll und ganz verteidigen. Das wiederum lässt die anderen, die eigentlich den Parasiten erkennen und los werden möchten oft daran zweifeln, ob es nicht doch ok ist mit diesem Blutsauger durch die Gegend zu laufen. Sie bekommen Angst davor, sich von ihm zu befreien.

Ein kleines Beispiel dafür ist der Glaubenssatz: „im Krankenhaus zu gebären ist viel sicherer als eine Geburt im Geburtshaus oder eine Hausgeburt“ Dieser Satz hat sich wirklich in sehr vielen Köpfen eingefressen. Wenn er sehr viel Macht über einen hat, dann kann an ihm nicht gewackelt werden, dann ist er für die jeweilige Person Wahrheit, wird zur Realität. Dann ist das auch ok so, weil wenn diese Frau dann im Krankenhaus gebärt, ist sie sich absolut sicher, dass dies die beste Entscheidung für sie war, unabhängig davon, ob die Geburt toll oder nicht so toll war, im Geburtshaus oder zu Hause wäre es dann ja nur noch viel schlimmer gewesen, wären noch grössere Komplikationen aufgetreten, hätte man nicht so schnell eingreifen können.

Wenn ich jetzt aber ein bisschen an diesem Satz zweifle, dann steht er schon auf wackeligeren Beinen, oder wenn ich es jetzt mit dem Unkraut vergleichen würde, ragen seine Wurzeln nicht mehr so tief in den Boden, und ich erkenne die Pflanze als einen ungebetenen Gast. Kurz: ich will sie ausreissen. Ich zupf jetzt also ein wenig an einer Pflanze, die für mein Gegenüber als absolut erhaltenswürdig gilt. Es geht nicht lange, und wir kommen in einen Konflikt. Entweder denke ich mir jetzt, dass ich falsch lag und die Pflanze doch kein Unkraut ist und ich lass sie in meinem Garten wachsen mit der Gefahr, dass sie überhand und das Kommando übernimmt, oder ich mach meinem Gegenüber klar, dass ICH entscheide, was ich in meinem Garten wachsen lasse und was nicht. Ich zupf die Pflanze also aus und mach Platz für eine neue. Das wiederum könnte in meinem Gegenüber Panik auslösen, weil ich seine heiss geliebte Pflanze nicht mehr giesse, in meinem Garten existiert sie nicht mehr. So lange, bis an der Zupfstelle ein Loch besteht und noch keine neue Pflanze darin gewachsen ist, solange versucht mein Gegenüber vielleicht mich wieder davon zu überzeugen, die Lücke mit seiner Pflanze zu füllen. Oder vielleicht nimmt es ihn auch wunder, was wohl an der neuen Stelle wachsen wird. Und schwupps landen wir schon bei der

3. Erkenntnis: Mein Glaubenssatz ist nicht dein Glaubenssatz, und ICH entscheide, wie meine Wahrheit aussehen soll. 

Genau. ICH entscheide, welche Pflanze ich jetzt in dem Loch wachsen lasse, das entstanden ist. Ich entscheide, wie sehr ich diese Pflanze hege und pflege. Ich entscheide, ob dies eine wunderschöne Blume sein wird oder sogar ein riesengrosser Baum mit vielen saftigen Früchten dran und unglaublich tiefen Wurzeln. Mein Garten ist nicht dein Garten. Und das ist auch gut so. Ich zum Beispiel liebe es biodivers. Wenn du auf englischen Rasen stehst, ok, dann will ich dir nicht rein reden. Dann haben wir beide einfach ziemlich verschiedene Vorstellungen von einem schönen Garten.

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4. Erkenntnis: Ich kann mich vor dem Unkraut schützen. Dafür muss ich wissen, was ich in meinem Garten wachsen lassen möchte und was nicht. So verhält es sich auch mit den Glaubenssätzen. Ich entscheide, an welche Konditionen ich mich halten möchte und an welche nicht, ich entscheide, wie meine Wahrheit aussehen soll. Dafür braucht es aber Klarheit, und die Absicht, in sich hinein zu fühlen und sein Herz zu fragen, was für einen selber richtig und was falsch ist.

Ich habe erkannt, dass ich auch mit meinen Glaubenssätzen ganz achtsam umgehen darf. Sie versetzen mich nicht mehr so sehr in Panik wie auch schon. Sie bestimmen mich nicht mehr. Wenn einer auftaucht, und ich nicht weiss, ob er mir gut tut oder nicht, versuche ich heraus zu finden, ob er in mein Gärtchen passt. Ich verbinde mich mit seiner Wahrheit, versuche in mich hinein zu fühlen und heraus zu finden, ob sie mit gut tut oder nicht, ob es wirklich auch meine Wahrheit ist, oder irgend eine Überzeugung vom Aussen.

5. Erkenntnis: Jäten macht sogar spass! Oh ja, und wie! Viele Glaubenssätze durfte ich schon entlarven und aus meinem Gärtchen verbannen. Das macht unglaublich viel Spass, denn jeder negative Satz, welcher mir bewusst wird und den ich verschwinden lasse macht Platz für ein neues, wunderschönes Pflänzchen das in voller Pracht wächst und gedeiht.

6. Erkenntnis: Nur ich bestimme, was in meinem Garten wachsen soll, ich kreiere mir meine Wirklichkeit selbst, egal, was andere dazu meinen. Mein Garten muss dir nicht gefallen. Er soll mich tragen und sonst niemanden anders. Er soll so aussehen, dass ich mich wohl und frei fühle darin. Das ist die Meisterschaft. Und immer wieder, wenn eine neue kleine Pflanze in meinem Garten auftaucht beobachte ich, ob sie zu den guten Pflanzen gehört, die meinen Garten bereichert oder zum Unkraut, dass irgendwann mal überhand nimmt und mutiert. Dann ist für mich der Zeitpunkt wieder gekommen um die Spitzhacke aus dem Schuppen zu nehmen und zu jäten.

Ich gebe zu, jäten kann sehr anstrengend sein und Kräfte zehrend, aber die Lücke, die dadurch entseht macht so viel Platz für neues, lässt mich unglaublich kreativ und stark werden. Glaubenssätze und limitierende Gedanken zu erkennen und aufzulösen ist für mich ein sehr wichtiger Teil im achtsamen MamaLeben.

Ich danke dem Unkraut in meinem Garten, das mich zu diesem Artikel inspiriert hat (anscheinend hat es doch seine Berechtigung).

 

 

 

 

 

5 thoughts on “BlogReihe: Was haben Glaubenssätze mit Unkraut gemeinsam?

  1. Hallo!
    Danke für deinen Text!
    Du hast so recht. Besonders mit deinem zweiten Punkt hast du eine Wunde von mir getroffen. Ich wollte nicht ins Krankenhaus um zu gebären. Mein Mann hat es jedoch geschafft, dass ich von diesem Unkraut die Finger gelassen habe, aber im tiefsten Inneren ist es gewuchert und so kam es, wie es kommen musste: Ich wurde im OP entbunden.
    Ich habe es immer vermutet, aber erst beim Lesen deines Textes ist mir das Unkraut von den Augen gefallen.
    Danke dafür!

    Gefällt 1 Person

    1. Bitte gern geschehen liebe Anna! Der grosse Vorteil vom Unkraut ist ja, dass wir es ganz ganz schnell los bekommen sobald wir es als dieses erkannt haben und Platz für neues machen!
      Alles liebe
      Tanja

      Gefällt mir

      1. Danke für deine lieben Worte!
        Leider ist das Entfernen nicht so einfach. Diese Erfahrung hat sehr tiefe, dicke Wurzeln bekommen.
        Aber ich hoffe, dass ich irgendwann alles ausgraben kann.
        Liebe Grüße Anna

        Gefällt 1 Person

      2. Ich bin mir sicher, dass du das kannst! Nimm dir die Zeit, die es dazu braucht. Falls du Hilfe oder einen kleinen Impuls dazu wünschst von mir, bin ich gerne für dich da und begleite dich bis du Platz für etwas neues machen kannst.

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