Wollen wir wirklich so geboren werden, wie wir geboren werden?

Wenn du oder ich uns unseren eigenen GeburtsWeg aussuchen könnten, wie würde der wohl aussehen? Wie hätte deine Mutter dich auf die Welt bringen sollen? Im Meer? Ganz alleine im Wald? Zu hause in der Badewanne oder im Spital? Würdest du dir für dich einen Kaiserschnitt wünschen?

Vielleicht findest du jetzt, dass ich verrückt kling, aber genau darüber mach ich mir im Moment Gedanken. Sind es wirklich diese Schläuche und Spritzen und Medikamente und diese grün gekleideten Ärzte, die uns Sicherheit vermitteln? Ehrlich?

Ich persönlich hab eine riesige Abneigung gegen Krankenhäuser. Die zeigt sich schon, wenn ich ein Spital betrete und rieche. Ich mag diesen KrankenhausGeruch nämlich nicht. Dann werd ich grundsätzlich schon mal gestresst und angespannt. Ob schwanger oder nicht.

Wer bestimmt, wie geboren wird?

Das ist meine Grundsatzfrage. Wer bestimmt eigentlich, wie wir zu gebären haben? Wer hat vor fünfzig Jahren bestummen, dass die Babies den Mamas weg genommen und nur zum Stillen ins Zimmer gebracht werden? Sowas können wir uns heute schon gar nicht mehr vorstellen. Damals, damals war es aber richtig. Und niemand hat es in Frage gestellt.

Und heute? Ist heute alles richtig, so wie es läuft?

Keine Ahnung, ich weiss es nicht. Ich bin keine Expertin. Aber ich beobachte. Und zwar ganz genau. Und wenn ich so beobachte, fallen mir einige Sachen auf:

  • Jede dritte Geburt ein Kaiserschnitt – ein alter Hut Jajaja, wir wissen es langsam. Jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt auf die Welt, Tendenz steigend. Es geht hauptsächlich um rote und schwarze Zahlen. Würden nämlich mehr Frauen natürlich gebären in den Spitälern, wären die Finanzzahlen von vielen Geburtsabteilungen rot. Sie würden also nicht rentieren. Und noch was kommt dazu: ein Kaiserschnitt ist für einen Arzt eine sichere Sache. Schneiden, Baby raus nehmen, zunähen, fertig. Viele unbekannte und risikoreiche Variabeln können ausgemerzt werden: Die mentale Verfassung der  gebärenden Mutter, die Anatomie von Becken und Geburtskanal, der Geburtsverlauf. Es braucht nicht wirklich viel Empathie und Menschenkenntinis um Kaiserschnitte machen zu können. Und gelernt hat man die in einem Jahr.
  • Es darf jede Frau wie sie will. Selbstbestimmtes Gebären ist da das SchlagWort. Obwohl selbstbestimmt oft in dem Kontext von natürlichem, interventionslosem Gebären gebraucht wird. Ich stelle mir da nur die Frage: ist ein WunschKaiserschnitt nicht auch selbst bestimmt? Wir haben die Wahl zwischen, Krankenhaus, PDA, Geburtshaus, Hausgeburt, Alleingeburt, Hypnobirthing etc. Doch was wollen wir??? Es scheint mir manchmal, den Durchblick zu behalten ist ziemlich schwierig.
  • AlleinGeburt ist die Königsdisziplin. Oh ja. Und ich ziehe den Hut vor jeder Frau, die diesen Weg für sich gewählt hat. Ich finde das super. Und ich schaue sehr gerne die Videos von AlleinGeburten. Nur: nicht jede Frau kann und will alleine gebären. Und das muss sie auch nicht. Es wird von ihr nicht erwartet. Und die, die alleine gebären sind keine verantwortungslose Spinner!!! Sie haben für sich diesen Weg gewählt, und für sie war es der richtige! Was für Gabi super klappt muss aber für Verena nicht zwingend auch super sein! Also bitte liebe Frauen, lasst uns keinen GeburtsGraben zwischen Kaiserschnitt- , AlleinGeburts- und sonstigen GeburtsMamas ziehen! Lasst uns vielmehr gegenseitig inspirieren!
  • Respekt gegenüber dem weiblichen Körper scheint irgendwie, irgendwo verloren gegangen zu sein. Der Respekt fängt schon bei uns Frauen selber an. Wie stehen wir zu unserem Körper? Ist uns bewusst, welche wunderbare Meisterleistung er in der Schwangerschaft, während der Geburt und der Stillzeit vorllbringt? Oder macht er einfach, was er zu machen hat und soll dabei bitteschön auch noch gut aussehen? Und wie wird unser Körper von den Ärzten, Hebammen und restlichen Geburtsbegleitern respektiert? Ist zum Beispiel ein Dammschnitt ein respektvoller Akt? Stell dir vor: du gehst zu einer Vorsorge Untersuchung. Dein Frauenarzt/in empfängt dich in einer gemütlichen, heimeligen Praxis, er/sie spricht mit dir ganz ruhig, bevor er mit dir einen Ultraschall macht legt er seine Hände auf deinen Bauch. Es macht dir den Anschein, dass er sich mit deinem Baby verbinden will. Dann nimmt er ein Frotteetuch, ja ein Frottetuch, keines dieser komischen Einweg Papiertücher und legt es ganz sanft auf deinen Bauch, damit deine Hose vom UltraschallGel nicht bekleckert wird. Und dann hast du deinen Untersuch. In der Luft liegt ein entspannender Lavendelduft. Ganz ruhig und sachlich erklärt er dir, was alles auf dem Bildschirm zu sehen ist. Ist der Untersuch zu ende, bittet er dich, noch liegen zu bleiben, während er zum Waschbecken geht, einen frischen Waschlappen holt, diesen mit warmen Wasser nass macht um danach deinen Bauch damit vom UltraschallGel zu befreien. Es war jedes Mal wie ein Ritual. Und ich habe es genossen. Und das beste: es war Realität! Es gibt noch solche Ärzte. Nicht viele wahrscheinlich, aber es gibt sie! Und es wäre schön, wenn es mehr solche geben würde.
  • Geburt ist ein WendePunkt, und zwar kein kleiner! Geburt passiert nicht so einfach nebenbei. Es ist harte Arbeit. Körperlich wie auch mental. Es ist ein Ereignis, das unumgänglich ist, so wie jedes Flugzeug irgendwie vom Himmel kommt, so wird jedes Kind irgendwie geboren. Entweder in einer perfekten, wunderschönen Punktlandung mit höchster Konzentration vom Piloten, oder der Autopilot landet irgendwie holperig auf der Landebahn und ein Crash kann gerade noch verhindert werden. Vielleicht müssen wir uns fragen, wie weit wir uns in dieses Ereignis einlassen möchten. Bist du bereit, dich voll und ganz darauf einzulassen? Bist du bereit, los zu lassen? Weisst du, wo du gebären möchtest? Weisst du ganz tief in dir drin, was du brauchst, um entspannt los lassen zu können? Bist du bereit, dich als Mutter neu zu erfinden?
  • Wir sind immer verbunden mit dem Baby IMMER! Da ist ein kleiner Mensch in deinem Bauch, den du spürst. Von anfang an ist die Mutter mit dem Kind verbunden. Und genau diese Verbindung ist es, die frau und Baby während der Schwangerschaft und der Geburt zelebrieren darf. Ich liebte diese ruhigen Augenblicke abends im Bett, nach einem ereignisreichen Tag, wenn ich zu meinem Baby bewusst in den Bauch geatmet hab, mir vorgestellt habe, wie der Atem von meiner Lunge zur Nabelschnur hin zu meinem Baby gewandert ist. Und schwupps, war er da, dieser lang ersehnte, kleine feine Tritt, der mir sagt, dass alles in Ordnung ist. Es war unsere goldene Verbindungsschnur. Auch unter der Geburt. Ich wusste, bei jeder Welle, dass ich zu meinem Kind hin atmete. Ihm vertrauen schenkte, es wusste, dass ich da bin. Und auch heute noch, wenn es weint, lege ich es an meinen Bauch, dass es meinen Atem spürt, so, dass es spürt dass ich da bin.
  • Wir Frauen machen uns oft klein. Sag mir bitte mal, wieso genau du, ja du nicht die Frau sein sollst, die wunderbar und schmerzlos gebären soll????!!!! Weil das nicht geht? Weil es das nicht gibt? Weil nur Spinner an sowas glauben? Tja, das sind DEINE GEDANKEN und Glaubenssätze meine Liebe!!! Ich hab mir erlaubt, meine Geburt als etwas wunderbares, kraftvolles zu erleben. Ich hab mich darauf hin intensiv Vorbereitet. Das kannst auch du! Du musst es dir einfach erlauben. Und es wollen. Denn es braucht schon etwas Arbeit. Arbeit an dir. Es braucht die Bereitschaft, heraus finden zu wollen, was du willst! Vielleicht bedeutet das, dass du dich alleine fühlst, weil dein Umfeld eine ganz andere Einstellung zum Thema Geburt hat als du. Vielleicht zeigen sich ein paar Themen, die du für dich noch lösen darfst. Aber das ganze hat ein enormes EntwicklungsPotential!
  • Wir müssen Verantwortung für unsere Entscheidungen übernehmen. Wenn du zu Hause gebären möchtest, dann erwarte nicht, dass dein Umfeld mit FreudenSprüngen darauf reagiert. Wenn du jemand bist, die einen WunschKaiserschnitt hatte und damit absolut happy ist, dann ist das gut so! Aber erwarte nicht, dass deine Schwiegermutter das genau so toll findet wie du! Geburt ist ein Thema, das sehr sehr viele Menschen bewegt und wir können und müssen es niemandem recht machen! Sorry, ich korrigiere mich: wir müssen es jemandem recht machen: uns selbst!!! So wie jeder Mensch einzigartig und vollkommen ist so sind es unsere Geburten auch. Wichtig ist, dass du zu deinem Entscheid, wie du gebären möchtest stehen kannst, und spüren kannst, was du brauchst.
  • Was passiert mit Frauen, die selbstbestimmt gebären? Ich glaube, aus diesen Frauen werden auch andere Mütter. Mütter, die auf ihre innere Stimme hören, Mütter, die sich mit ihrem Kind und dessen Bedürfnissen verbunden fühlen. Mütter, die sich und ihre Kinder spüren. Mütter, die erfahren haben, zu welch unglaublichem Wunder sie im Stande sind. Nachdem ich das erste Mal so kraftvoll geboren habe, habe ich mir selbst den SuperHeldinnenStatus verliehen. Mich konnte nix mehr umhauen, schliesslich hatte ich geboren. Frauen, die selbstbewusst und selbstbestimmt, kraftvoll gebären werden auch selbstbewusste und selbstbestimmte Mütter, die auf ihr Gefühl und nicht auf irgend einen Ratgeber hören, denn es sind Mütter, die ihre Kinder spüren. Von Anfang an.  Und genau dieses Selbstbewusstsein und Vertrauen leben und geben diese Mütter ihren Kindern weiter. So wird diese Welt zu einem besseren Ort.

Ich glaube, die Umstände, wie und wo wir gebären stimmen in der heutigen Zeit nicht mit dem überein, was wir Frauen bräuchten um Geburt als etwas natürliches, weibliches, positives und kraftvolles zu erleben. Geburt ist immer noch ein grosser Mythos.

Es scheint mir, dass wir uns in unserer aufgeklärten, technisierten Welt sehr weit davon entfernt haben, was Geburt und MamaSein in seiner tiefsten Essenz eigentlich ist.  Es ist ein Wunder. Ein TransformationsProzess. Energie pur. Und das hat nichts mit Esotherik zu tun. Vielleicht, wer weiss, hat das alles auch einmal in einem Krankenhaus seinen Platz. In fünfzig Jahren oder so, nachdem sich viele Frauen dafür eingesetzt haben.

Vielleicht erkennen wir in Zukunft, dass Geburt ein Prozess ist, in dem die Seele auf ihrer Wanderschaft einen neuen Körper aussucht, ihn beseelt. Vielleicht erkennen wir, dass sich während der Geburt ein riesiges Portal zwischen den Welten öffnet. Und zollen dem ganzen Prozess viel mehr Respekt.

Oder vielleicht wachsen in fünfzig Jahren die Babies in künstlichen Gebärmüttern, damit wir armen Frauen uns nicht mehr die Last von Schwangerschaft und Geburt auf uns nehmen müssen. Who knows.

Wir Frauen stellen uns wahrscheinlich viel zu wenig die Frage, wie wir unsere Schwangerschaften erleben und wie wir gebären wollen… Wir fragen uns wahrscheinlich viel zu wenig, was Geburt eigentlich für uns ist.

 

 

 

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