Die Angst vor der Angst

Ich hatte gestern ein gutes Gespräch mit meiner Schwester. Sie fragte mich, ob ich nie Schiss hatte in meinen Schwangerschaften. Ob ich mich nie gefragt habe, wie das denn klappen sollte mit dem Gebären.

Die Frage war gut. So gut, dass ich mich entschlossen hab, das Thema Angst etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach einem HappyEnd tendiert man wohl dazu, die Ängste, die einem besuchten wieder zu vergessen.

Fangen wir mal von vorne an, was ist denn überhaupt Angst? Ich glaube, es gibt ganz viele verschiedene Ängste. Solche, die uns sehr bewusst und präsent sind und solche, die wir oft lange mit uns tragen und sie selber gar nicht bemerken. Manchmal ist uns  wohl gar nicht bewusst, dass wir aus Angst handeln.

Wikipedia erklärt Angst folgender massen:

Angst ist ein Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein.

Spannend wie ich finde.Wir haben also angst vor Situationen, die wir als bedrohlich empfingen. Und genau da will ich einhaken: so wie Schwangerschaft, Geburt und GuteMutterSein vielfach dargestellt werden, wie sie uns „verkauft“ werden ist es für mich kein Wunder, dass beim Halten des positiven Schwangerschaftstests viele Frauen panisch werden.

Welche als bedrohlich empfundene Situationen rufen denn nun am meisten Besorgnis und unlustbetonte Erregung in aus?

Die KinderWunschZeit.

Das ewige auf und ab kann ganz schön zermürbend sein, kann stressen, kann in uns Gefühle der Verunsicherung auslösen. Können wir überhaupt noch schwanger werden? Wann kommt denn jetzt endlich dieses Baby? Heute wird mir bewusst, dass ich viel unter Versagensängsten litt in dieser Zeit.

Der positive SchwangerschaftsTest.

Da wartet Frau ewig darauf, endlich schwanger zu werden und blickt zum ersten Mal auf diesen zweiten streifen und was passiert? Neben der Freude schleicht sich dieses Gefühl der Unsicherheit ein. Wird alles gut kommen? Was wird mein Partner sagen? Werde ich eine gute Mama sein? Wird unser Geld reichen? etc.

 

Vorsorgeuntersuchungen.

Ganz ehrlich, mir war vor jedem Ultraschall ganz flau in der Magengegend. In meiner allersten Schwangerschaft, die leider traurig in der 14. Schwangerschaftswoche endete, schaute ich in der Ultraschalluntersuchung auf einen leblosen, kleinen Körper. Diese Erfahrung hat sich in mein Herz eingebrannt. Ich hasste von da an Ultraschalluntersuchungen und war jedes Mal froh, wenn sie vorbei waren. (Ich weiss, ich hätte sie auch sein lassen können, hab ich aber nicht getan)

 

Die Norm.

Oh ja, heute leben wir in einer Welt, wo alles der Norm entsprechen muss. Für das Wachstum unserer Kinder gibt es Kurven und Tabellen, überall können wir nachlesen, wie gross das Baby zu sein haben muss und wie viel oder wenig wir zunehmen dürfen in der Schwangerschaft. Für Individualität ist nich viel Platz. Dann haben wir im Kopf wohl noch das Bild von der erfolgreichen Mama, die Job und Familie ohne Probleme unter einen Hut bringt.

 

Der Schmerz.

In unserer Zeit wird Schmerz bekämpft. Gegen jedes Leiden gibt es eine Tablette, werden wir geheilt. Geburt bedeutet Schmerzen. Das wird uns von ganz klein auf suggeriert. Wieso in aller Welt sollen wir dann natürlich gebären? Ich persönlich leide unter Migräne. Ganz starker sogar. Es gab Zeiten (vor den Kindern), in der sie mich 36 Stunden am Stück durchschlafen liess, weil ich von ihr so ausser Gefecht gesetzt wurde. Ich fragte mich oft, wie ich denn eine Geburt ohne Schmerzmittel überstehen sollte, wenn ich nicht mal mit dem bisschen Kopfweh zurecht kam. Ich habs geschafft. Und dabei gemerkt, wie wir unbewusst unseren Körper für Schmerz durchlässig oder eben nicht durchlässig machen können.

 

Die Perfektion.

Horrorgeschichten über Hängebusen, Schwangerschaftstreifen MammutDammschnitte, blutenden Brustwarzen. Wer kennt sie nicht. Und dann schaut Mama im H&M Katalog die dürren Models in der engen Stillbekleidung an und fragt sich, wo die denn ihren Ex BabyBauch gelassen haben. Pfff. Ja, der Körper verändert sich in der Schwangerschaft, in der Stillzeit, während der Geburt. Aber er ist auch ein Wunderwerk der Natur. Frau darf ihn trotzdem gerne haben. Denn er trägt uns durch dieses Leben.

Die Geburt.

GeburtsGeschichten können viel Angst auslösen. Vor allem dann, wenn sie von Drama begleitet werden. Geburt und Tod sind Ereignisse, die für mich sehr stark zusammen gehören, sich sehr ähnlich anfühlen. Beides sind Ereignisse, auf die wir nur eingeschränkt Einfluss haben können. Sie lehren uns die Kunst des Loslassen, Vertrauen und Zulassen. Vielleicht macht uns Geburt so viel angst, weil wir unbewusst spüren,  dass sie der Umkehrvorgang vom Sterben ist. Vielleicht spüren wir insgeheim, dass unsere Kinder aus dieser unbekannten Welt kommen, in die wir irgendwann dann wieder mal reisen werden. Vielleicht werden wir in der Geburt sehr stark an diese andere Welt und unbewusst an den Tod erinnert, wer weiss. Und beides wollen wir im Griff haben. Unter Kontrolle. Wir haben das Gefühl, dass Menschen, die wissen was zu tun ist, diese Kontrolle besitzen, zu unserem besten handeln, uns diesen Vorgang so gut es geht abnehmen können. Ich bin der Meinung, dass wir selber am besten wissen und spüren, was wir brauchen. Dazu braucht es vielleicht ein bisschen Mut, oder die Bereitschaft, heraus finden zu wollen, was uns gut tut. Es braucht vielleicht auch ein bisschen Ruhe, um in uns hinein zu horchen und uns zuzuhören, ohne Ablenkung von aussen.

Die Verantwortung.

Wow, da wird frau Mama. Zum ersten, zweiten, dritten oder… Mal. Und immer wieder stellt man sich die Frage: werde ich das schaffen? Genügend Zeit für mein Kind haben? Eine gute Mama sein? Werden meine Nerven das mitmachen? Wird mein Körper die Geburt überstehen?

Angst ist ein Tabu.

Wer spricht schon gerne von seinen Ängsten? Oft haben wir das Gefühl, wenn wir zu unseren Ängsten stehen, dass wir dann verwundbar, angreifbar, schwach sind. Uns so zu sagen selber den Löwen zum Frass vorwerfen. Naja. kann sein. Nur jeder Mensch hat mit angst zu kämpfen. Das sollte uns bewusst sein. Angst vor der Angst lässt uns wohl in eine SchockStarre verfallen. Wir werden absolut handlungsunfähig.

Ich könnte die Liste wohl ins unendliche verlängern, denn jeder von uns trägt unterschiedliche Ängste in sich. Solche, die stärker und solche, die schwächer ausgeprägt sind.

Die Auslöser auslöschen.

Wie sagt es Wikipedia so schön? Auslöser für Ängste können erwartete Bedrohungen der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein. Wir verspüren also angst, weil wir uns in unserer körperlichen Unversehrtheit, unserem Selbst bedroht fühlen. Wir wollen heil bleiben, koste es was es wolle.

Vielleicht ist genau DAS der Stolperstein. Mit einem positiven Schwangerschaftstest nähern wir uns im Eiltempo einem WendePunkt zu. Und wenn der durch ist, kommt schon der nächste angerauscht. Und eigentlich, tief in uns drin hätten wir gerne alles beim alten gelassen, fühlen wir uns wohl in dieser rosaroten, bequemen Blase. Wir wollen heil bleiben, koste es was es wolle, wollen so wenig Risiko wie nur möchlich eingehen, aus angst, etwas falsch zu machen, die falschen Entscheidungen zu treffen.

Vielleicht geht es darum, zu erkennen, dass Schwangerschaft und Geburt eine Lebensphase ist, in der ganz viel Veränderung geschieht. Eine vergleichbar kurze Lebensphase, die geprägt ist von WendePunkten, von unbekannten Variablen und vom Loslassen. Hier drin kann ganz viel Entwicklungspotential stecken. Und jede Frau, die schon Mama ist kann mir bestätigen, dass diese unbekannten Variablen mit der Geburt des Kindes nicht weniger werden.

Wenn wir uns unseren Ängsten bewusst werden, erkennen, was es ist, das uns dieses Gefühl des Unbehagens auslöst, haben wir schon einen grossen Schritt in die richtige Richtung getan. Denn wir schauen dann unseren Ängsten in die Augen, lassen uns nicht von ihnen kontrollieren und manipulieren, wir schieben sie nicht zur Seite, bis wir mit dem Rücken an der Wand und hanlungsunfähig vor ihnen stehen.

Das Mindset.

Wenn sich mir eine Angst zeigt, versuche ich immer heraus zu finden, wo sie ihren Ursprung hat, was sie mir sagen möchte. Ich versuche, sie mir vorzustellen, setz mich mit ihr an den Tisch und trink mit ihr einen Kaffee. Und dann besprechen wir zusammen, was wir gerne anders hätten. Ich frage sie, was sie braucht, damit sie mich alleine lassen kann. Meistens sagt sie mir dann, dass sie noch bei mir sei, weil sie das Gefühl hat, ich brauche sie noch, weil ich zu wenig vertraue.

Ich versuche meinen Fokus von dem lähmenden Gedanken weg zu dem nährenden Gedanken zu lenken. Zu dem, was ich will und nicht zu dem, was ich nicht will. In meiner Ausbildung hat die Kursleiterin uns einmal eine wunderschöne Geschichte erzählt, die mir immer wieder in den Sinn kommt: Ein Klient von ihr hatte die Diagnose Hirntumor. Die Ärzte gaben ihm eine Überlebenschance von 5%. Er kam zu ihr, um sie zu fragen, ob es tatsächlich so ist, dass er sterben würde. Sie gab ihm zur Antwort: „wenn du dich in den 95% bewegst, die dir sagen, dass du nicht überleben wirst, ja. Wenn du dich auf die 5% Heilung konzentrierst, dann wirst du heilen.“ Er hat sich auf die 5% konzentriert und wurde gesund. Egal, ob du nun diese Geschichte glaubst oder nicht, ich möchte dir damit sagen, dass wir immer selber entscheiden können, worauf wir unseren Fokus lenken wollen. Auf das, dass uns lähmt oder auf das, dass uns Kraft gibt und nährt.

So sehe ich das auch in Bezug auf die Geburt. Ich habe immer meinen Fokus auf die 7% Wahrscheinlichkeit, dass ich eine interventionslose, schmerzarme Geburt haben werde gelenkt. Und die hatte ich auch. Aus den 7% sind 100% geworden.

Plagen dich ab und an Ängste in Bezug auf deine Schwangerschaft, deine bevorstehende Geburt? Fühlst du dich von mir inspiriert, hast du Lust, mit mir deine Ängste etwas genauer zu betrachten, um sie anzunehmen und los lassen zu können? Dann melde dich bei mir, ich freue mich auf ein  eins zu eins Coaching per Email oder Skype mit dir!

3 thoughts on “Die Angst vor der Angst

  1. Liebe Tanja,

    irgendwann würde ich bei 2-3 sehr speziellen Ängsten gerne dein Angebot annehmen.
    Ich habe viele alleine erkannt, angenommen und loslassen können, aber eben bei diesen komm ich alleine nicht weiter.
    Ich habe sie zwar erkannt, kann sie aber nicht loslassen. Ich denke wir könnten sehr gut zusammenarbeiten ❤

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    Gefällt 1 Person

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