BuchAbenteuer: 1 + 1 = 3

Hast du Lust, mit mir einen kleinen Abstecher zur Erde zu machen? Zu genau diesen beiden, die im letzten Kapitel zusammen auf der Parkbank sassen und miteinander besprochen haben, ob sie bereit sind ein neues Abenteuer zu wagen.

Da sitzen sie nun, dieser Mann und diese Frau. Und beschliessen, dass sie zusammen einen Schritt weiter gehen möchten. Sie machen eine kleine Rechnung: 1 + 1 = 3. Eine Rechnung mit ungewissem Ergebnis. Eine kleine Ewigkeit haben sie sich vielleicht gegen diese 3 gewehrt und geschaut, dass die Summe aus eins plus eins immer nur zwei bleibt. Und jetzt? Jetzt plötzlich war es soweit. Plötzlich haben sie beide ihr Herz ganz doll pochen gehört, wenn sie an einem Kinderwagen vorbei gegangen sind. Plötzlich kam in ihnen die Frage hoch, ob eine 3 wohl auch in ihr Leben passen würde.

Irgendwann Mal sah die Frau den Mann an und wusste: Er wird ein toller Papa sein. Und umgekehrt sah der Mann in die leuchtenden Augen seiner Frau und wusste, dass sie mehr will. Er wusste, dass auch sie eine ganz tolle Mama sein wird.  

Von da an war beiden klar, dass für sie 1 + 1 nicht mehr länger nur 2 ergeben sollte.

In diesem Augenblick auf der Parkbank haben sie nun beschlossen, die Reise zu beginnen, vielleicht war es ihnen gar nicht so bewusst. Dieser Augenblick hatte einen kleinen Zauber inne. Und so dachten die Mama und der Papa daran, wie es denn so sein würde zu dritt. Ob es lang gehen würde, bis die Rechnung ein neues Ergebnis ergeben würde, ob es überhaupt mal eine 3 geben würde.

Der Mama wurde es ganz warm ums Herz. Sie spürte, dass es das Richtige war, was sie beschlossen haben. Auch wenn es sich noch ganz verrückt anhören würde. Und auch der Papa fühlte so. Obwohl beide auch ein bisschen Angst hatten vor dem Ungewissen. Denn so ganz genau weiss man nie, wie das so heraus kommt zu dritt. Ein bisschen ist und bleibt das ein Sprung ins Ungewisse. Aber sie hatten einander. Und sie wussten, sie würden es nie erfahren, wie es sein würde, wenn sie nicht einfach über die Klippe springen und es wagen würden.

So gingen sie beide miteinander nach Hause und fühlten sich irgendwie ganz anders. Sie fühlten, dass eine neue Zeit angefangen hat. Die Zeit, der Gleichung, die nicht mehr 2, sondern 3 ergibt.

Alma und Serafine sprangen ganz übermütig auf ihrer Wolke auf und ab, winkten den beiden zu und ruften:

„Willkommen liebe Mama und lieber Papa in der KinderWunschZeit!“

Leider konnten die beiden sie nicht hören. Aber ihre Herzen, die sie auf der Erde begleiteten, konnten unsere Freunde hören. Sie winkten ihnen ganz freudig zurück und freuten sich darauf, in nächster Zeit mit Alma und Serafine zusammen arbeiten zu dürfen.

Die Zeit verstreicht

Diese KinderWunschZeit hat es in sich, musste unsere Mama bald erfahren. Denn die beiden, die beschlossen haben, ein Kind- wie sagt man so schön bei uns?- „zu machen“ hatten ziemliche Mühe damit. Fanden sie. In Wahrheit sah alles etwas anders aus, denn unser Alma hatte einen Plan, er wusste ganz genau, wann er landen sollte, die ReiseZielDefinitionsMaschine auf Wolke 6532 hat es ihm ganz genau ausgerechnet. Und so beobachtete er von seiner Wolke aus, wie seine Mama sich immer mehr und regelrecht in diesem KinderWunsch verlor.

Als sie nach drei Monaten noch nicht schwanger war, fing sie an, sich schlau zu machen. Alma musste etwas seine Augen verdrehen. Irgendwie machen das langsam fast alle dort unten auf der Erde. Wenn sie nicht mehr weiter wissen, nach Sicherheit suchen, dann schalten sie diese viereckigen Kisten an und fangen an zu recherchieren. Und lesen. Und vergleichen. So  durchforstete unsere Mama das Internet. Las vom weiblichen Zyklus, von Eisprüngen und Hormonen, davon, wann die Wahrscheinlichkeit am grössten ist, schwanger zu werden.

Sie pinkelte sogar über unzählige komische Streifen, die ihr sagten, wann jetzt der richtige Zeitpunkt wäre um- wie sagt man so schön- „ein Kind zu machen“. Sie fing an, ihre Temperatur am Morgen zu messen und lustige Kurven zu malen. Alma musste ein bisschen schmunzeln. Manchmal. Aber manchmal machte es ihn auch traurig. Dann, wenn er sah, wie das Herz seiner Mama immer schwerer wurde. Nach 28 Tagen, wenn sie wieder anfing zu bluten. Dann gab es die Momente, in denen sie der Mut verliess. Momente, an denen sie ganz doll an sich zweifelte, das Gefühl hatte, dass irgend etwas mit ihr nicht stimmt. Momente, an denen sie ihren Körper hasste. Sich selber gar nicht mehr mochte und extrem ungeduldig wurde.

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Auch Alma wurde traurig, wenn er sah, dass sie ganz wehmütig auf dicke Babybäuche und Kinderwagen schaute. Er spürte ihren Schmerz. Er spürte, wie sehr sie sich ihn bei sich wünschte. Und es tat ihm unglaublich leid für seine Mama. Irgendwie. Aber irgendwie auch nicht.

Denn er war es, der wusste, dass es keinen Anlass dazu geben würde, traurig zu sein, denn seine Zeit ist noch nicht gekommen. Er sehnte sich nach der lustigen, lebensfrohen Mama, die er dort auf der Parkbank neben dem Papa sitzen sah. Stattdessen beobachtete er sie immer des Öfteren vor diesem komischen, viereckigen Ding sitzen das wir Computer nennen. Sie suchte nach Informationen. Nach Sicherheit. Und was hat sie gefunden? Viele geschriebene Worte. Viele Theorien. Sie hat aufgehört auf ihr Herz zu hören und hat dabei sich selbst verloren.

Alma wollte seiner Mama helfen. Er wollte ihr zeigen, dass er da ist. So machte er sich immer wieder auf die Reise zu ihr, war ganz nah bei ihr. Aber je mehr sie sich schlau machte und ablenkte, desto weniger spürte sie ihn. Das kleine Herz der Mama sah das, und hat ihn getröstet: „Alma, es wird die Zeit kommen, da wird dich deine Mama wieder spüren, glaube es mir. Es ist alles in Ordnung so. Sie spürt nicht mal mehr mich, ihr eigenes Herz.“

Aber Alma wollte nicht aufgeben. Er ging so weit, dass er Serafine bat, ihm zu helfen,  der Mama Zeichen zu setzen, dass er da ist. So legten sie immer wieder Federn auf ihren Weg, vor ihre Füsse. Liessen sie durch die Luft wirbeln. Aber nicht mal diese Zeichen konnte die Mama in ihrem Schmer und ihrer Ungeduld noch sehen.

Natürlich hat der Papa das Ganze auch mit gekriegt. Und auch ihn hat es traurig gemacht. So haben sich beide das nicht vorgestellt mit der Gleichung die 3 ergeben sollte. Und so kochte der Papa an einem gemütlichen Samstag Abend der Mama ein feines Essen. Sie fingen an, miteinander zu reden. Die Frau musste weinen. Der Mann merkte die Anspannung seiner Frau. Doch plötzlich spürte er sein Herz, dass ihm sagte, dass alles in Ordnung wäre. Und er spürte, dass da noch ein anderes, ein drittes Herz ist. Alma. Er sah aber auch, dass seine Frau nicht mehr in der Lage war, irgend ein Herz zu spüren, nicht mal mehr ihr eigenes. Und so sagte er ihr, was schon lange mal gesagt werden musste: „Lieber Schatz, fang wieder an, auf dein Herz zu vertrauen, es zu spüren. Hör auf, dir Sicherheit und Informationen im Aussen zu holen. Hör auf dich. Und auf das, was die Herzen um dich herum zu sagen haben.“

Und so wachte die Frau auf aus diesem dunklen Traum, den sie sich selber so zusammen geträumt hat. Sie merkte, wie eine ganz schwere Last von ihr genommen wurde und liess los.

Von diesem Tag an konnte sie die Federn sehen, die ihr Serafine und Alma geschickt haben. Und sie zauberten ihr ein Lächeln ins Gesicht. Manche hob sie auf und nahm sie mit nach Hause.

Unsere Mama spürte wieder ihren Körper, spürte ihr Herz und sie wusste, da ist auch dieses dritte Herz, das irgendwann mal kommen wird. Und plötzlich, ja plötzlich merkte sie, dass es nicht erst noch kommen muss. Sie merkte, dass es schon da ist. Sie spürte es, diese kleine, feine Energie von der drei.

Und so hatte sie diese Idee. Wenn dieses Herz schon da ist, in irgend einer Form, dann wollte sie es ihm ganz gemütlich machen. Sie suchte sich eine kleine Ecke bei ihnen zu Hause aus und schmückte sie mit den Federn, die sie gefunden hat auf ihren Spaziergängen. Mit einem kleinen Engel aus Ton und mit einer kleinen Schachtel. In dieser Schachtel war ein Briefchen drin, das die Mama ihrem Baby geschrieben hat. Ein kleiner Brief, in dem sie es zu sich einlud. Am Abend zündeten sie und der Papa oft noch eine kleine Kerze in der Ecke an. Alma liebte diesen Ort. Er war so freundlich und einladend. Er setzte sich oft dort hin an gemütlichen Abenden und beobachtete diese beiden Menschen, die bald seine Eltern werden sollen. Er freute sich unglaublich fest darauf.

 

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