Die Angst vorm Kinderkriegen, Regenbogen und ich

Sag mal, hast du Angst vorm Kinder kriegen?

Ja du liest gerade richtig. Ich frage dich, ob du schiss hast vorm Kinder kriegen. Ich meine damit nicht, ob du Angst vor einer Geburt hast. 

Ich frag dich, ob dir der Gedanke, Mutter zu werden die Arschbacken zusammen ziehen lässt… ?

Also mir, ja mir hat der Gedanke, Kinder in die Welt zu setzten ziemlich lange ziemlich grossen Schiss bereitet. Ich glaube, wenn ich mein Kopfkarrussell von damals nicht einfach ignoriert hätte, ich wäre heute noch kinderlos.

Denn mit Kindern wagt Frau sich auf ein ganz unbekanntes Terrain. Sich für ein Kind zu entscheiden braucht Mut.  Als ich mir übers Kinderkriegen ernsthafte Gedanken gemacht hab, war ich anfangs Dreissig (also schon ziemlich alt, rein biologisch gesehen), hatte gerade eine intensive Ausbildung hinter mir und Karriere gemacht ganz ohne den Chef zu poppen. Umgangssprachlich könnte man behaupten, dass ich was erreicht hab. Aber in was für einer Welt? In einer Welt, in der ich hauptsächlich für andere arbeitete. Klar, ich hatte ja auch was davon. Einen Lohn der sehr angemessen war, ein Geschäftsauto, Ansehen, Selbstwertgefühl, ich durfte tolle Kontakte knüpfen, wusste genau wo meine Stärken lagen und hab meine Jobs geliebt. 

Ich gehör wohl zu der Sorte Frau, die alles richtig machen wollen, wenn sie was tun. So hab ich meine Arbeit immer mit viel Passion und Ehrgeiz getan. Wenn schon, denn schon. Alles oder nichts. Ich wollte gut sein, vorne dabei sein, mochte es, Kontakte zu pflegen, zu Networken. 

Und dann? Dann kommt doch diese doofe Idee mit dem Kind dazwischen! 

Theoretisch hätte ich damals einfach „was soll denn DIE Scheisse?“ sagen und einfach weiter machen können wie bisher. Das hätte mir so manchen stress erspart. Aber auch ganz viele wundervolle Momente mit diesen drei Chaoten hier bei mir zu hause hätt ich verpasst. Und ich hätte das Entwicklungspotential in dieser Situation nicht erkannt.

Es gibt hier in der Schweiz ein Kinderlied, das nennt sich „Mini Farb und dini“, es handelt davon, dass meine Farbe und deine zusammen zwei sind. Und wenn sie drei vier fünf sechs sieben werden dann gibts einen Regenbogen für dich und mich. Und genau so ist es mit dem Kindern kriegen. Aus deiner und meiner Farbe gibts einen Regenbogen, der Himmel und Erde verbindet, und doch steht jede Farbe in diesem Bogen für sich. Jeder hat seine Farbe. 

Diese komische Idee mit dem Kind hat mich verfolgt. Sie liess mich nicht mehr los. Sie wurde von einem ganz speziellen Gefühl in der Bauchgegend begleitet. Dieses Gefühl sagte mir, dass da noch mehr in mir ist als nur diese Berufsfrau, die ich war. Der Bauch und das Herz. Die fühlten sich so an, als sei es total richtig und cool Mama zu werden. Der Kopf schrie immer wieder dazwischen und schmiedete Pläne, wie ich alles miteinander vereinen könnte. Mutter Sein und den Job, den ich hauptsächlich für andere tat, das musste doch alles miteinander zusammen gehen. Vereinbarkeit war die Devise.

Ich konnte meine Angst vorm Kinderkriegen überwinden und sprang ins kalte Wasser und kriegte welche. Ich kriegte nicht nur eins, nicht zwei, nein sogar drei. Manche fragen sich jetzt, ob ich noch ein Fünkchen Zeit und Raum für mich hab, oder ich mich schon total aufgegeben habe. Ich kann euch beruhigen. Ich lebe noch. Und geniesse mein Leben, meinen Regenbogen. Aber ich geniesse auch meine Farbe. (Und die ist im Moment ziemlich pink, chch)

Ja da ist noch Raum für mich. Ganz viel sogar. Es ist zwar fast kein Raum mehr vorhanden, um für andere zu arbeiten. Aber da ist noch ganz viel Raum, um für mich, meine Familie und meinen HerzensWeg zu arbeiten. Mein Business heisst jetzt Familie. CEO bin ich. Manage, kalkuliere, gehe Risiken ein, schau, dass der Laden läuft, dass es meinen Angestellten gut geht. 

Manchmal, ja manchmal da fehlt sie mir, diese strukturierte, schnell laufende Arbeitswelt da draussen. Dort war es, wo ich genau wusste, wo mein Plätzchen ist. Ich wusste genau, was meine Aufgaben waren, wer meine Kunden waren und was ich zu leisten hatte, damit mein Chef mit mir zufrieden war. Ah, da war so viel Sicherheit, so viel Struktur! Und Geld! 

Das alles hab ich aufgegeben. Keine Ahnung, ob ich meinen Job hier gut mach. Ich hab kein Jahresendgespräch, neue Ziele werden selten definiert, manchmal werden die wenigen, die wir haben auch einfach über Bord geschmissen. Da sind drei Kinder, die meinen Alltag immer wieder aufs neue im Chaos versinken lassen. Da gibt es viele mühsame Tage, an denen ich mich abrackere und am Abend lieg ich im Bett und hab das Gefühl nix getan zu haben. Da sind die Momente, wo ich denke: „mein Gott, WAS genau mach ich hier überhaupt?“

Ich habs gewagt und hab auf meinen Bauch gehört. Und geh meinen HerzensWeg. Arbeiten tu ich immernoch für andere. Nur die Tatsache, dass ich mich für die Menschen, die mir am nächsten stehen abrackere, ganz ohne Lohn und Struktur, das wertet den Job ungemein auf. 

Und der Raum für mich? Ja der ist auch noch da. Ich bin mir meiner Farbe bewusst. Mutter zu werden hat mich dem näher gebracht, was ich immer vermisst hab: Meinem HerzensWeg. Uns so nehm ich mich manchmal ganz bewusst mit meiner Farbe raus aus dem Regenbogen und zieh MEIN DING durch. Damit ich leuchten kann. Damit wir zusammen erkennen dürfen, dass Mutter zu werden viel mit loslassen, verändern, wachsen, Angst überwinden und über sich hinaus wachsen zu tun hat. 

Mama zu werden war bis jetzt mein bester KarriereEntscheid. Die beste Leiter, die ich aufsteigen konnte. Mitten in einen bunten, verrückten Regenbogen der Himmel und Erde miteinander verbindet.

Den Haushalt machen wir nebenbei dann auch noch halt…

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