Ich bin Schöpfer/in

Ich gebe es zu, im Moment mach ich mir ziemlich viele Gedanken über das Leben. Vielleicht zu viele. Aber ich philosophier sehr gerne und frage mich oft, was es denn ist, was ein Leben zu einem guten, erfüllten und glücklichen Leben macht….?

  • Gesundheit?
  • Glück?
  • Geld?
  • Karriere?
  • Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein?

Ganz ehrlich? Ich glaube nichts von alledem. Ich kenne kranke Menschen, die sehr glücklich und ein erfülltes Leben leben. Ich kenne Menschen, die ganz viel Glück in ihrem Leben haben und trotzdem mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter rum laufen. Ich kenn Menschen, die eine steile Karriere hin gelebt haben und richtig Kohle machten, aber denen fehlt doch noch irgendwas. 

Was ist denn der Schlüssel? Was ist das Ziel hier? Wohin sollen wir gehen?

Kann es sein, dass es darum geht sich Selbst ganz Bewusst zu Sein? Kann es sein, dass wir die Bedeutung von Selbstbewusstsein immer wieder verdrehen? Bei mir war es so. Ich hab zu diesem Thema ein ganz interessantes Gespräch mit Prof. Gerald Hüter geschaut, in dem mir so richtig klar wurde, was denn dieses SelbstBewusstSein WIRKLICH ist.

Ich sehe es so, wie er das erklärt hat: wenn jemand wirklich selbst bewusst ist, dann ist er sich immer seiner Handlungen bewusst. Zu 100%. Also kann man dies dann mit Achtsamkeit vergleichen. Das was wir umgangssprachlich als Selbstbewusstsein deuten, ist eigentlich nichts anderes als die Wirksamkeit eines Menschen. Aber ob die so wichtig und wertvoll ist, wie wir zu wissen glauben, das sei dahin gestellt.

Nur, weshalb scheint es manchmal so schwierig, sich selbst ganz bewusst zu sein? 

Naja, das hat viel mit vergangenen Erfahrungen zu tun, in denen wir eben nicht wirklich uns selbst sein durften. Erfahrungen, in denen uns gesagt wurde, dass wir so und so nicht richtig sind. Im Laufe des Lebens haben wir wohl gemerkt, dass wir zu wenig wirksam sind, wenn wir uns selbst bewusst sind. Besser gesagt, es wurde uns so vorgegaukelt. 

Steckt nicht in jedem von uns dieses kleine, verletze Kind das einfach nur spielen möchte? Rumtoben, sich austoben, Wände anmalen möchte, nur weil es gerade sich selbst bewusst sein will? Seinem Selbst Ausdruck verleihen will? Sich spüren will? Meine beiden grossen Kinder haben im Moment ziemlich oft Wutanfälle. Das find ich persönlich ziemlich anstrengend und manchmal steh ich wirklich hilflos neben diesen Monstern und hätte gerne am liebsten, dass das alles ganz ganz schnell vorbei ist. Weil es für mich unangenehm ist. Weil ich denke: „ohje, was denken bloss die andern von mir, was für eine schlechte Mutter ich bin, die ihr  Kind nicht im Griff hat.“ (Haha! Kaum hab ich den Gedanken gedacht wird mir mein Glaubensmuster wieder mal auf dem Silbertablett serviert.)

Nur glaube ich, (und ich kann auch total falsch liegen, denn ich bin kein Experte), meine Kinder brauchen in dem Moment genau dieses Gefühl, diese Wut, sonst könnten sie nicht sich bewusst spüren, sich selbst mit diesem Gefühl bewusst sein. Würde ich eingreifen und das alles unterdrücken, würden sie dann nicht auch sich selbst unterdrücken? Kann es sein, dass wir Erwachsenen mit diesen Wuntanfällen nur deswegen so schlecht umgehen können, weil wir von Anfang an gelernt haben, sie zu unterdrücken? Schlechte Gefühle zu unterdrücken? Würde es uns nicht auch mal gut tun, die ganze unterdrückte Wut mal ungehindert raus zu lassen?

Ich glaube, wenn wir wieder ein Stückchen zu unserer Essenz finden, zu dem, was uns selbst ganz bewusst ausmacht, dann ja dann finden wir auch zum glücklichen Leben. Egal wie die Umstände aussehen mögen. Denn wir leben uns, dass was uns ausmacht. Wir schenken uns selbst die Liebe und den Respekt den wir brauchen.

Und was passiert, wenn wir uns selbst bewusst leben? Wir werden unglaublich kreativ! Wir fangen an, Schöpfer/in zu werden. Wir erkennen, was zu uns passt und was nicht. Wir haben ein Gefühl dafür entwickelt, wann wir durch Glaubensmuster beeinflusst werden. Wir erkennen, dass unsere Gedanken das mächtigste Werkzeug sind, das wir haben. Wir erkennen, dass wir weder unsere Gedanken noch unsere Glaubenssätze sind. Wir wissen plötzlich, wer und was uns gut tut und was wir lieber sein beziehungsweise los lassen dürfen. Wir wissen, dass wir nichts wissen müssen, sondern einfach vertrauen dürfen. Auf unser BauchGefühl. Auf unser Herz. 

Selbstbestimmtes Gebären ist zu einem dieser (Mode)Schlagwörter geworden. Es macht mir manchmal den Eindruck, dass schwangere Frauen nur deshalb diesem selbstbestimmten hinter her rennen, weil es so kraftvoll und mächtig klingt. Aber die Bedeutung die dahinter liegt haben sie nicht wirklich verstanden. Und ganz ehrlich: wer will schon fremd bestimmt sein? (Wobei ich glaube, dass wir oft nur das Gefühl haben, ein selbst bestimmtes Leben zu führen und in Wirklichkeit werden wir sehr wohl fremd bestimmt, aber das geht für heute, für diesen Artikel zu weit)

Also dann sagt mir doch mal, wie selbstbestimmtes Gebären geht….

Selbst bestimmt heisst doch eigentlich nix anderes als das ich selbst darüber bestimme, was mit mir unter der Geburt passieren soll. Ok, das kann sein, dass ich gedämpftes Licht möchte, die Nabelschnur auspulsieren möchte, in Ruhe das anwenden möchte, was ich in meinem Hypnobirthingkurs gelernt hab. Oder eben auch dass ich eine PDA oder gar einen Kaiserschnitt haben will. Über jede dieser Möglichkeiten kann ich selbst bestimmen. Wenn ich will.

Ich möchte einen Schritt weiter gehen. Ich glaube, auf das, was wir Frauen hin arbeiten sollten ist nicht eine selbst bestimmte Schwangerschaft und Geburt, sondern eine selbstbewusste. Denn wenn wir schon in der Schwangerschaft uns selbst bewusst machen, was wir im Moment brauchen, was da gerade in unserem Körper passiert, wenn wir uns bewusst Zeit nehmen, um dieses Baby kennen zu lernen, dann ja dann lernen wir uns auf eine ganz andere Art und Weise kennen. Wir nehmen das wahr was ich gerne als die Essenz bezeichne. Die Schwangerschaft ist eine Zeit von grossem Wandel. Für jede Frau. Da verändert sich sehr viel. Der Körper wandelt sich,  die Gefühle spielen verrückt. Wir werden empfindsamer. Kommen zur Ruhe. Es scheint mir, dass diese Zeit perfekt dafür geschaffen ist, es uns einfacher zu machen, uns selbst bewusst erfahren zu dürfen, uns zu spüren, unserem Selbst bewusst zu sein.  

Und was passiert nun mit uns Frauen, wenn wir uns bewusst machen, was wir brauchen, damit dieses Kind auch sich selbst bewusst sein kann? Widerstandslos in uns wachsen darf? Mit uns auf diese Welt kommen darf? Ja vielleicht wird uns klar, dass wir uns selbst auch unter der Geburt bewusst sein wollen. Dann gebären wir achtsam. Öffnen uns dem Wunder, das dann gerade passiert. Können diese gewaltige Kraft annehmen. Sind unserer weiblichen Urkraft bewusst und verschliessen uns nicht vor ihr. Das ist wohl der Moment, in dem wir in den Flow kommen, uns selbst sind, Kontrolle abgeben. Nicht an Ärzte, sondern diesem höheren Bewusstsein.

Also für mich ist eine selbstbestimmte Geburt eine selbstbewusste Geburt. 

Und das funktioniert nur, wenn wir uns wirklich unseres Selbst bewusst sind. Wissen, was wir brauchen, um Achtsamkeit auch unter der Geburt zu erleben. Und genau das fängt schon viel früher an, dieses Achtsame. Und das hört auch nicht mit dieser selbst bestimmten Geburt auf. Denn sind wir uns einmal unseres Selbst bewusst, dann erkennen wir das Wunder, das in jedem von uns steckt. Wir erkennen, dass unsere Kinder noch ganz nah an diesem Wunder sind, dass sie einfach nur sich selbst leben. 

Aber Achtung, ich warne dich!

Selbst bewusstes Gebären hat Nebenwirkungen. 

Es lässt uns selbstbewusste Mütter werden. 

Wir werden zur Schöpferin von unserem eigenen Leben. 

Wir werden uns unserer Aufgabe, unserem Weg bewusst, der vor uns liegt. Und wir fangen an, ganz achtsam diesen Weg zu gehen. Wir erkennen, dass es unser Weg ist, und wir ihn ganz alleine gehen dürfen. Wir erkennen, dass jeder Weg ganz einzigartig ist, auch der unserer Kinder. Wir müssen sie auf keinen Weg (er) ziehen. Wir dürfen sie auf ihrem Weg begleiten, ihnen zeigen wie sie ihn selbst bewusst erkennen.


3 thoughts on “Ich bin Schöpfer/in

  1. Wie du vielleicht weißt, liebe ich deine Posts sehr und sehe und fühle vieles wie du.
    Ich habe lange über denn Teil mit den Wutanfällen nachgedacht. Wut zu erleben und diese ausleben zu können, ist mit Sicherheit wichtig aber ich glaube auch, dass man Kindern beibringen soll mit dieser Wut alternativ umzugehen. Nach dem 5.ten Wutanfall ist der Lernprozess „Wut“ längst abgeschlossen, Wut ist wichtig aber unbefriedigend wenn man sie nicht transformieren kann. Unterdrücken ist das eine aber hilflos zu sein das andere. Wie du weißt, ist mein eigenes Kind tot und ich kann nur auf meine Kindheit zurückgreifen. Aber ich wurde wütend wenn ich mich unverstanden gefühlt habe. Ich war hilflos, der Situation dann nicht gewachsen, meine Wut wurde unterdrückt und dadurch spüre ich sie bei bestimmten Triggern heute noch sofort. Ich habe mir immer Eltern gewünscht die meine Wut hinterfragen, die mir in der Wut Sicherheit geben und mir einen Ausweg zeigen, statt in mir das wütende blöde Kind zusehen. Ich glaube du machst es einfach intuitiv richtig mit deinen Zwergen.
    Das mit dem selbstbewussten vs selbstbestimmten Gebären seh ich ganz ähnlich.So viele suchen nach Macht hinter starken Worten, statt nach Kraft in sich selber. Selbstbewusstsein bedeutet für mich ein Bewusstsein für sich selbst zu haben, zur Selbstreflexion fähig sein. Ich bin mir meiner selbst bewusst, aber selbstbewusst im Sinne der Gesellschaft bin ich eher nicht, denn ich bin schüchtern und beobachte lieber. Ich häng diesen Gedanken jetzt einfach ne Runde nach und wünsche dir einen wunderschönen Sonntag, fühl dich gedrückt. 🙂 Gina

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