BabyPanik.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich, mit 22 Jahren meinen allerersten Schwangerschaftstest gemacht hab. Wir waren noch jung mein Mann und ich, hatten noch ganz ganz viel vor uns, waren ein Jahr zusammen und das Geld musste hart verdient werden. Ich wusste, dass dieser junge, hübsche Typ der mein Freund war davon sprach, dass er gerne mal Kinder haben würde, am liebsten schon jung.

Und ich? Naja, ich war mir da gar nicht sicher, ob ich überhaupt Kinder möchte. Da sass ich nun auf dem Klo, mit zittrigen Händen, meine Periode war überfällig, obwohl ich natürlich, wie sollte es auch anders sein, die Pille nahm. Der Test war negativ. Und mein Herz gefühlte Tonnen leichter. 

Nur, das, was passierte, als ich aus dem Klo raus kam und diesem coolen Typen sagte, dass ich zum Glück nicht schwanger bin, brannte sich in meinem Kopf und wahrscheinlich auch in mein Herz ein. Im Gesicht von meinem Freund machte sich tatsächlich Enttäuschung breit. Niemals hätte ich damit gerechnet. Und in mir machte sich grosse Verwunderung breit. Er hätte also gerne ein Baby gehabt? Jetzt schon? Ohne gespartem Geld auf der Seite, kurz nach der Ausbildung? Mit mir? Die, die noch selbst fast ein Kind ist, mit bunten Haaren durch die Gegend läuft und nur verrückte Dinge im Sinn hat? Nach nur einem Jahr Beziehung? Ich fand es schon extrem mutig von uns, dass wir nach sechs Monaten zusammen gezogen sind. In eine Wohnung natürlich, die sich jeder alleine auch hätte leisten können. Man weiss ja nie so recht, ob eine Beziehung hält oder nicht.

Nun gut, kurz, ja ganz kurz gab es damals eine Phase in der wir beide dachten, wir würden gerne ganz jung Eltern werden. Diese Phase machte meiner Karriere platz. Und meine Karriere die war mir ein ganzes Weilchen extrem wichtig. 

Wahrscheinlich gehörte ich damals, als ich zwischen 23 und 30 Jahre alt war zu der Sorte Mensch, für die es nur schwarz oder weiss gab. Ich gab Gas. Mein Fokus war rattenscharf darauf eingestellt, möglichst schnell die Meisterschule zu machen und einen eigenen Laden auf zu tun.

Hat mich jemand in dieser Zeitspanne mal zur Seite genommen und gefragt, wie es denn mit Kindern aussieht, dem hab ich den Vogel gezeigt. Kinder? Ich??? Siehst du denn nicht, dass ich mit meinem Leben viel mehr vor hab? Ist dir denn nicht bewusst, dass Karriere, so wie ich sie will mit einem Kind nicht vereinbar ist? Es ging sogar so weit, dass ich die Kinderfrage schon fast als beleidigend empfand. Ja müsste denn eine Frau immer Kinder haben? Sind wir denn nur dafür hier auf dieser Welt? Für mein Umfeld war ziemlich schnell klar, dass ich den BusinessWomanWeg einschlage und niemals nie Kinder haben werde.

Und was war mit dem gutaussehenden Typen, der ein paar Jahre zuvor enttäuscht einen Schwangerschaftstest ohne zweiten Strich anstarrte? Den hab ich vor die Wahl gesetzt. Ganz fair: Wenn er Kinder haben möchte, ja dann, dann wär ich wahrscheinlich die absolut falscheste Person auf diesem Planeten für ihn und er sollte sich dann lieber mal eine andere, gebärwillige Frau suchen. Das hat er nicht getan. Zu meinem Glück. Heimlich war ich extrem froh über seinen Entscheid, aber das Bild mit ihm und dem negativen Test in der Hand verfolgte mich. Immer. Jedes Mal, wenn ich sagte, dass ich keine Kinder haben möchte sah ich ihn. Mit seinen jungen 24 Jahren auf dem Sofa sitzen, mich traurig anschauen. Ich konnte es ihm irgendwie nicht wirklich abnehmen, dass es für ihn auch absolut ok wäre, ein Leben ohne Kinder zu führen.

Meine Karriere lief gut, ich war dabei, ein Labor zu übernehmen, habe mich auch schon mit einem Zehntel dort eingekauft, da kam etwas, dass sich immer wieder bei mir meldete: Mein Herz. Bua. Ich kann euch sagen, manchmal, ja manchmal war das echt extrem anstrengend. Ich fuhr morgens zur Arbeit und spürte: das stimmt nicht mehr. Ich sah meinem Chef in die Augen und wusste: das kommt definitiv nicht gut. Und plötzlich, ja plötzlich erkannte ich sie, die vielen Grautöne zwischen dem Schwarz und dem Weiss. Und das Herz klopfte immer lauter. Bis ich kündete. Ins Blaue. Und mich viele mit grossen Augen ansahen. Sie, die unbedingt diesen Traum vom eigenen Labor wahr werden lassen wollte? Sie kündete? Wieso um Himmels Willen!?!

Ich hatte keinen blassen Schimmer wohin die Reise gehen würde, ich spürte nur, dass das was ich tat, das Richtige war. Und das war es auch. Ein anderer Job machte mich glücklich. Ein ganz toller. Ich reiste viel, sah jedes Labor in der Schweiz, arbeitete an den Unis, gab Kurse, jetete durch Europa. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir die Tränen die Backen runter liefen als ich zum ersten Mal im Flugzeug sass und dachte, wie verdammt geil nur dieser Job ist.

Komisch an der ganzen Sache war einfach bloss die Tatsache, dass mein Herz immer noch rebellierte. Am Anfang war es ziemlich still. Ich hoffte, dass das nur so eine Phase war. Nur leider wurde es ziemlich schnell wieder ziemlich laut. Was es mir sagen wollte? Ich hatte keine Ahnung. Bis ich Patentante wurde. Von meiner besten Freundin. Von ihr, die die taffe Businesswoman schlechthin ist. Sie will ein Kind? Ja geht denn das? Es ging. Und ein paar Monate später lag ich mit ihr und einem kleinen perfekten Baby in einem Klinkbett und wir fanden es einfach nur unglaublich, dass dieser kleine perfekte Mensch da zwischen uns lag. Und dann sprach mein Herz: Das will ich auch! Echt jetzt? Hab ich das gesagt? Scheiiiiisse! Ich will ein Kind! Das war die Botschaft, das war der Grund, weshalb mein Herz rebellierte. Ich will ein Kind. Ich, die sich nicht mal traute ein Baby auf den Arm zu nehmen?

Schlechtes Gewissen machte sich in mir breit. Das kann doch jetzt echt nicht sein, oder? Dieser süsse Typ der mittlerweile mein Mann wurde geht davon aus, dass wir niemals Kinder haben werden. Die ganze Welt geht davon aus, dass wir NIEMALS welche haben werden. Wie glaubwürdig bin ich denn da?

Ich musste mit dem Typen reden. Immer wieder sah ich vor mir die Erinnerung an damals, wie er enttäuscht auf diesen negativen Test starrte. Auf die Frage, ob er wirklich wirklich keine Kinder wolle wich er immer wieder aus. Es kam immer die Gegenfrage: Willst denn du? Ich konnte nicht ja sagen. Hatte ich doch über Jahre meine Meinung zementiert, dass mein Business mein Baby sein wird. Aber wenn er sagen würde, dass er welche haben möchte, ja dann, dann könnte ich ihm ja vorschlagen, dass ich mir das mal überlegen würde mit den Kindern. (Scheissstrategie. Ehrlich.)

Das PingPong Spiel lief einige Monate so. Bis zu dem Tag, als es meinem Mann zu bunt wurde. Wir waren gerade unterwegs, in einer verschneiten Landschaft, als ich ihn fragte, was wir denn jetzt mit dieser Kinderfrage machen sollten. Ob er denn jetzt Kinder möchte oder nicht. „Willst denn du welche?“ fragte er mich. Ich gab zur Antwort: „wenn du welche willst, ja…“ Danach schwieg er. Immer. Diskussion beendet. Seit einer gefühlten Ewigkeit lief das so, und da platzte mir der Kragen. „Gopfedami nonemal, so kommen wir nicht weiter! Willst du jetzt Kinder oder nicht???“ 

Mein Mann fauchte mich an: „Klar will ich Kinder! Schon immer wollte ich welche. Aber ich will es endlich von DIR hören. Ich frage dich, Tanja, willst DU ein Kind??? Ich, ich wollte nämlich schon immer welche. Und ich war Jahre lang geduldig mit dir, mit uns, habe mich auch darauf eingestellt, dass wir vielleicht keine haben werden. Aber ICH, ich will! Aber nur dann, wenn DU das von dir auch sagen kannst!“ Wie sagt man so schön auf Schweizerdeutsch? Ich stand da wie ein „klöpfte Aff“ und war erstmal baff. Ach so. Mhm. Und so sagte ich den Satz zum ersten Mal: „jaaaaaa dänk! Ich will ein Kind!“ Woooow. Und um mein Herz wurde es warm, wärend es ganz langsam in die Hose rutschte, haha. Denn Mama zu werden bereitete mir eine Riesenportion angst.

Damals hätte ich nie gedacht, dass es noch geschlagene zwei Jahre dauern würde, bis wir dieses Kind, für das wir uns entschieden haben, dann auch in den Armen halten würden. Ich hätte nie gedacht, dass ich nicht mehr als Zahntechnikerin arbeiten würde. Wir haben stundenlang Pläne geschmiedet wie wohl das beste Familienmodell aussehen würde. Ein Kind würde vollkommen reichen, damit würden wir noch alles unter einen Hut bringen können (hahahaaaa!) Alles war akribisch geplant.

Und doch hat es mir vor angst die Arschbacken zusammen gezogen, als ich auf dem Klo sass und der Schwangerschaftstest mir mit dicken Lettern sagte: schwanger. Der verrückte coole Typ fands klasse.

Alles kam anders. Wir hatten viele Hochs. Und auch einige Tiefs. Ich wurde gezwungen, viel los zu lassen. Meine Karriere zum Beispiel. Aber mein Herz, mein Herz wurde immer grösser. Und auch heute lausch ich immer wieder dort hinein und frag es, wie es ihm denn so geht. Trotz Chaos, quängelnden Kindern, fast keiner Zeit für die Partnerschaft ist da dieses Gefühl in meiner Brust das sagt: passt scho! Alles im grünen Bereich.

Mein Herz hat  mir meinen Weg gezeigt. Und ich hab es gewagt, ihm zu folgen. Auch wenn ich manchmal die Hosen gestrichen voll hatte. Ich hab das, was man so schön „Karriere“ nennt aufgegeben für ein spannendes Leben mit Kindern. Ein Leben, in dem ich trotz Familie auch noch meinen Raum finde, gerade mein ganz eigenes Business entdecke und das um meine Kinder herum aufbau. Niemals hätte ich gedacht, dass in einem MamaLeben so viel Kreativität und Selbständigkeit stecken kann, wenn man die vorgestampften Pfade verlässt und es wagt, den Weg zu gehen, der einem das Herz zeigt.

 

 

2 thoughts on “BabyPanik.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s