Wenn aus hochsensiblen Frauen Mütter werden.

Hochsensibel erlebt man so manches ziemlich anders als „normal“. Wobei, was ist schon normal? Es scheint mir, als seien hochsensible Frauen anders schwanger, erleben Geburt auf eine ganz andere Art und Weise. Wir sind andere Mütter. Und die Zeit, bis wir endlich Mutter werden, auch die erleben wir viel intensiver, anders halt. Ein kleiner Erfahrungsbericht.

Hochsensibel in den Kinderwunsch.

Darüber, wie ich meine KinderWunschZeit erlebt hab, hab ich ja schon einige Male berichtet. Ich hab auch darüber berichtet, dass sie mir überhaupt nicht leicht gefallen ist diese Zeit. Weshalb? Das ständige auf und ab der Gefühle, diese Achterbahn zwischen Hoffnung, positivem Denken, träumen und Trauer und loslassen hat mir recht zu gesetzt. Es mag etwas sehr spirituell oder esoterisch klingen, aber ich hab meine Kinder schon in meiner Nähe gespürt, bevor ich schwanger war. Irgendwas war da. Und genau das war wohl der Grund, weshalb es für mich so schwer war zu warten, zu akzeptieren, dass der richtige Zeitpunkt noch nicht da war. Und ja, als hochsensibler Mensch hat man auch eine ganz feine Beziehung zum eigenen Körper. Man spürt die kleinsten Veränderungen, spürt Eisprünge, ein pieksen in der Gebärmutter und diese Sehnsucht danach, endlich Mama werden zu dürfen. Irgendwie musste ich diese Zeit überleben, das war für mich nicht immer einfach.

Hochsensibel in die Schwangerschaft

Schwangerschaft ist ja bekannt dafür, dass Frau viel näher am Wasser gebaut ist, sensibler ist, viel mehr empfindet, die Hormone verrückt spielen. Wenn das dann mit einer hochsensiblen Frau passiert, dann ja dann wird es ganz spannend. Ich liebte meine Schwangerschaften, diese Zeiten, in dem das Baby in einem wächst, man beseelt ist von diesem neuen Leben. Und ja, ich hatte das Gefühl, den Charakter, die Art meiner Kinder schon in der Schwangerschaft zu spüren. So genoss ich die Kommunikation und die Verbindung zu ihnen, genoss diesen speziellen, aussergewöhnlichen Zustand des Wachsens. Ich zog mich immer wieder zurück zu mir, in meine Welt, spürte in meinen Körper hinein der wirklich Grossartiges vollbrachte. Ich brauchte Menschen um mich, die mich in diesem postitiven Gefühl bestärkten, die mir Halt gaben, mich liessen meine Schwangerschaft so erleben, wie es für mich richtig war. Meine Verbündeten waren meine Hebamme und mein Mann.

Hochsensibel in die Geburt

Ich muss nicht erklären, dass sensitive Frauen Geburt wohl ganz anders erleben. Ich brauchte zum Beispiel bei meiner ersten Geburt, die im Krankenhaus statt fand, extrem viel Überwindung, in die Klinik zu gehen. Spitäler sind für mich fast unerträglich. Ich verstehe jede Frau, die mir sagt, dass sie sich sicherer, beschützter fühlt wenn sie im Geburtshaus oder zu Hause gebären darf.

Hochsensibel zu gebären bedeutet, dass sehr viele Eindrücke auf einen einprasseln, dass man Ruhe, Geborgenheit und Achtsamkeit braucht, um in den Fluss zu kommen. Es bedeutet aber auch, dass wir extreme Ressourcen anzapfen können. Die Macht des Geistes ist vielen hochsensiblen bewusst. Und so behaupte  ich zu sagen, dass sehr viele hochsensible mit Hypnobirthing gebären, weil sie sich voll und ganz in diese Entspannung rein bringen können. Weil sie einfach auch in der Lage sind, sich einfacher in solche „speziellen“ Zustände zu begeben. Umgekehrt fällt es hochsensiblen schwieriger bei sich zu bleiben, wenn sie von falschen Worten, Orten oder Maschinen abgelenkt werden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich wütend den Gurt, der die Herzfrequenz meiner ersten Tochter aufzeichnete von mir riss, weil mich dieses Gepiepse wahnsinnig machte.

Ja ich glaube, hochsensible beschäftigen sich auch intensiver mit dem Thema Geburt. Suchen nach einer Lösung, einer Möglichkeit, sich sicher und beschützt fühlen zu können während diesem Vorgang. Oft haben wir dann das Gefühl, dass wir unseren Mann brauchen, und wenn er dann nicht so mitmacht, wie wir uns das wünschen, verfallen wir im Drama. Dann sind wir wieder abgelenkt. Bei jemand anderem. Projezieren auf das Aussen. Anstatt dass wir uns nach innen richten, uns stärken, uns bewusst machen, dass wir es sind, die gebären. Ich möchte dir an dieser Stelle einen ganz tollen Online Geburtsvorbereitungskurs ans Herz legen. JoNi* von Jobina Schenk und Nina Winner. Ein Kurs, der stärkt, vorbereitet, der dir die Werkzeuge in die Hand legt, um selbstbestimmt und selbstermächtigt zu gebären. Auch oder gerade als hochsensible.

Ich kann nur für mich reden, sagen, was es mit mir gemacht hat, dieses selbstbestimmte Gebären. Es hat mich in meine weibliche Kraft gebracht. Ich durfte diese GebärKraft spüren, mit ihr gehen, meinen Körper auf eine ganz ungewöhnliche, wundervolle Art und Weise erleben. Ich durfte Leben schenken, wurde selber neu geboren. Spürte unglaublich viele verschiedene Energien. War präsent. Ich konnte das alles zulassen. Loslassen. Mich dem hingeben. Ich spürte mich. Pur. Selbstbestimmt. Kraftvoll. In meiner Essenz. Und genau diese Kraft ist es, die ich mit genommen hab ins Mutter sein.

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Hochsensibel Mutter sein

Ja, hochsensible Mütter sind andere Mütter. Hier läuft vieles über das Gefühl. Oder alles. Ich spüre meine Kinder. Ich spüre, sie brauchen meine Nähe, also gib ich ihnen sie. Ich spüre, sie brauchen jemand, der ihnen Halt gibt, einen Rahmen für ihr sein. Also gib ich ihnen den. Ich spüre ihre Essenz. Ihre Grundenergie, erkenne, dass Wutausbrüche und Trotzphasen dazu gehören, zum Kind sein, zum Mensch sein. Und doch ist es anstrengend für mich, weil diese geballte Ladung Gefühlsgewitter über mir zusammen bricht. Und ich mich immer wieder abgrenzen muss. Ihres ist nicht meins. Und meins soll aber auch nicht ihres sein. Oh ja, ich spüre auch, wie meine Unausgewogenheit, meine schlechte Laune auf sie über schwappen kann. Ich brauche immer und immer wieder Zeitinseln, wo ich mich zurück ziehen kann. Aus dem Geschehen nehmen kann. Mich sein kann. Ja ich bin gerne Mutter. Ich liebe meine Kinder über alles. Aber ich muss auch wieder die Möglichkeit dazu haben, in meine Mitte zu kommen, sonst wird mir alles zuviel. Und ja, vielleicht haben hochsensible etwas länger um in die Mutterrolle zu kommen, um ihren Platz im Leben wieder zu finden. Weil wir oft auch Strukturen brauchen um uns wohl zu fühlen. Und Strukturen sind oft Mangelware in einem chaotischen Familienaltag.

Hochsensible haben sehr oft Mühe damit, Macht an ihren Kindern auszuüben. Weil sie ihre Kinder als das erkennen, was sie sind: Ein Spiegel unserer Persönlichkeit. Sie sind unsere grossen Lehrmeister. Sie bringen uns unserem eigenen, inneren (verletzten?) Kind näher und lassen uns heil werden. Gerade deshalb lieben hochsensible Dinge wie Attachement Parenting, unerzogen, Bedürfnisorientiert, Familienbetten etc. Ja vielleicht sind wir es, die langsam die Welt zu einem besseren Ort machen, weil wir uns unseren Kindern öffnen, ihnen auf Augenhöhe begegnen, das Wunder in ihnen erkennen, von ihnen lernen und ihnen die Macht verleihen, diese Welt zu verändern.

Es ist an der Zeit, sich zu zeigen

Hochsensibel zu sein bedeutet auch immer wieder ganz gewaltige Kräfte frei setzen zu können. Wir müssen nur lernen wie. Meine Hochsensibilität hat mich oft ausgebremst in meinem Leben, so schien es mir. Sie hat mir aber auch sehr vieles erleichtert. Oft brauche ich keine Worte, um Situationen zu verstehen, um Energien wahr zu nehmen. Ich brauche keine Erklärungen. Ich habe dieses Bauchgefühl, dass mir als Indikator dafür dient, ob alles in Ordnung ist oder nicht, ob sich etwas stimmig anfühlt. Es braucht einfach manchmal etwas Mut, darauf zu vertrauen. Aus dem Verstand zu gehen, zu fühlen und dem, was man fühlt Glauben zu schenken. Genau das macht es manchmal aber auch ein bisschen schwierig. Dann wenn ich was anderes fühle als das ich sehe oder höre von meinem Gegenüber, dann fühl ich mich getrennt, alleine, einsam. Dann muss ich mich wieder daran erinnern, dass jeder Mensch das Recht hat, so zu sein wie er ist. Dass auch ich das Recht habe, meine Sensitivität zu leben, mich nicht verstecken zu müssen. Denn eigentlich, ja eigentlich hab ich das Gefühl, steckt in jedem Menschen diese hochsensible Persönlichkeit. Und Trennung gibt es nicht. Alles sind wir miteinander verbunden. Trennung entsteht im Kopf. Also Verbinde ich mich dann immer wieder ganz bewusst. Und fühle. Und lasse den andern so sein, wie er ist, nehme ihn mit Liebe an.

Sich zu erden ist oft das Zauberwort. Auf festem Boden zu stehen, auch als hochsensibler Mensch, der oft irgendwo, in irgendwelchen Energien zu schweben und sich mitzureissen scheint, ist wahrscheinlich die grosse Kunst. Ganz spontan werde ich ab Montag eine kleine IntensivCoaching Woche zum Thema Erden in meiner FacebookGruppe starten. Wenn auch du Lust dazu hast, kleine Inspirationen von mir zu erhalten, wie du dich erden und immer wieder verbinden und stärken kannst, bist du herzlich willkommen in meiner HerzBauchWerk Gruppe.

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3 thoughts on “Wenn aus hochsensiblen Frauen Mütter werden.

  1. Hallo liebe Tanja,
    wow, danke dir für deine offenen Herzensworte, die in mir jede Menge Anklang gefunden haben. ❤ Ich kenne vieles was du beschreibst aus meinem Zusammensein mit Kindern so gut. Manchmal muss ich an meine Ausbildung zur Kindergärtnerin vor vielen Jahren denken. Es hat mich damals so verwirrt irgendwelche Theorien zu lernen oder Dinge kopfmäßig begründen zu müssen, wenn sie in meinem Herzen doch soo klar waren.
    Ja, und ich stimme dir absolut zu, ich empfinde die Verbindung zur Erde für uns feinfühlige Wesen auch als unglaublich wichtig und hilfreich um uns wohl zu fühlen. Lustigerweise habe ich auch erst diese Woche auf meinem Blog darüber geschrieben. 🙂

    Toll, dass du deine Empfindungen und deine Bauchweisheit mit der Welt teilst.
    Ganz herzliche Grüße sendet dir,
    Stefanie

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Stefanie
      Danke vielmals für deinen lieben Kommentar, ja manchmal liegen die Themen einfach so „in der Luft“ hihi! Ich gehe gerne deinen Artikel mal lesen, bist du so lieb und postest mir den Link dazu?
      😉
      HerzensKnuddel
      Tanja

      Gefällt mir

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