Wie du heraus findest, ob du hochsensibel bist oder einfach nur eine an der Waffel hast.

Hast du manchmal das Gefühl, mit deiner Wahrnehmung und der Sicht der Dinge so ziemlich alleine da zu stehen in dieser Welt? Nehmen dich die Gefühle der anderen oft mit wie eine riesengrosse Welle? Fällt es dir manchmal schwer, dich abzugrenzen? Magst du keine lauten Geräusche? Hast du manchmal das Gefühl, etwas beknackter zu sein als der Rest der Welt oder hast du dich schon mal gefragt, ob du vielleicht einfach nur hochsensibel bist?

Wie ich dazu komme, dich das alles zu fragen, fragst du mich?

In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, dass es für einige von uns wichtig sein kann, zu erkennen, wohin sie gehören und WAS sie jetzt nun genau sind. Ich bin eine von den Menschen, die Schubladisierungen, Diagnosen und Einteilungen theoretisch total ablehnt. Auch mit der Wissenschaft hab ich manchmal meine Mühe, weil ich sie nicht immer nur ein Segen für uns Menschen finde, denn wenn sie auf falschen Theorien aufbaut, kann sie uns gehörig in unserem (um)Denken behindern. Aber nur schon darüber könnte ich jetzt gefühlte 20 Stunden schreiben.

Nun ja, in der letzten Woche hat ein Buch den Weg zu mir gefunden, das wohl einfach zu mir kommen musste. Sonst würde ich jetzt nicht diesen Artikel schreiben.

Ich hab es zusammen mit ganz vielen anderen tollen Dingen von einer ganz wunderbaren Frau, die mich aus dem Netz kennt geschenkt bekommen. Sie kennt mich aus dem Internet und hat dort auch von mir erfahren, dass ich neu Kurse in mentaler Geburtsvorbereitung anbiete. Sie hatte noch ganz ganz viele Dinge von ihren Kursen, die sie nicht mehr anbietet und so kam sie zu mir, mit zwei grossen Wäschekörben voller GeburtsVorbereitungsKursMaterial und für mich fühlte sich dieser Morgen an wie Weihnachten. (Übrigens: ich liebe es, „fremde“ Menschen zu mir zum Kaffee einzuladen. Ich sitz dann einfach nur da und lass sie erzählen von ihrem Leben, was ich total absolut mega spannend finde.)

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Wie ich so das, was ich von ihr geschenkt bekommen habe durchsuchte und sortierte, ist mir ein Buch aufgefallen, dass mich mit seinem pinkigen Cover geradezu magisch angezogen hat. Es trägt den Titel „Hochsensibilität in der Liebe“ und wurde geschrieben von Elaine N. Aron, eine hochsensible Psychotherapeutin, Universitätsprofessorin und Mutter aus den USA. In ihrem Leben hat sie zahlreiche Studien zum Thema Hochsensibilität geleitet und eben auch Bücher über das Thema geschrieben. Ihr erstes Buch heisst „sind sie hochsensibel?“

Vielleicht fragst du dich jetzt, weshalb ich dieses Buch oder allgemein ein Buch über MEIN Thema erst jetzt lese. Vielleicht hättest du dir gewünscht, dass ich viel belesener wäre, mich auf meine Quellen beziehen kann, eine Expertin bin in diesem Fach.

Keine Angst, ich bin Expertin. Seit 38 Jahren. Denn so lange wandle ich bereits auf diesem Planetetn mit meiner Hochsensibilität, habe viele Erfahrungen damit gemacht. Gute und schlechte. Solche, die mich weiter gebracht haben und andere, die mich wie ein einsamer, verwaister Regenwurm mitten im Regen auf der asphaltierten, kalten Strasse fühlen liessen.

Und doch hab ich angefangen dieses Buch zu lesen. Und ganz interessante Dinge erfahren dürfen. Dinge, die vielleicht diese Hochsensibilität fassbarer machen, die vielleicht für dich ganz wichtig sein könnten, weil du dich immer noch fragen magst, ob du denn auch hochsensibel bist oder manchmal einfach nur eine an der Klatsche hast.

Etwas ganz erstaundliches habe ich erfahren, und das war mir nicht wirklich bewusst: Hochsensibilität ist etwas, dass in jeder Spezies anzutreffen ist. Etwas also, das nicht nur uns Menschen vorenthalten ist, sondern auch in Tiergemeinschaften vor kommt.

Und zwar in jeder. In jedem Ameisenhaufen, in jedem Vogelschwarm, in jedem Wolfsrudel befinden sich 20- 30% hochsensible Tiere. Es sind die Tiere, die vor den anderen riechen und spüren, dass der Gemeinschaft Gefahr droht. Es sind die Tiere, die für die Gemeinschaft neue Wege entdecken, sie verändern, das Überleben sichern, weil sie vorsichtiger sind. Denn es sind oft die Tiere, die nicht in die Fallen tappen, weil sie irgendwie spüren, dass irgendwas nicht in Ordnung ist.

Für jede Tiergemeinschaft sichern die Hochsensiblen das Überleben. Weil sie weiter denken, vorsichtiger sind, einen schärferen Instinkt haben.

Viele Naturvölker verehren die Sensitiven unter ihnen. So sind Schamanen, Weisen und Stammesoberhäupter die Sensitiven unter ihnen. Die, die um Rat gefragt werden, die, die ganz genau zu wissen scheinen, was für das Dorf das beste ist.

Und sieht es in unserer Gesellschaft aus? In unser westlichen Welt werden die hochsensiblen Eigenheiten oft nicht geschätzt. Denn ganz oft sind sensitive Menschen die ruhigen, in sich gekehrten Einzelgänger, die schüchternen, die, die nicht viel zu sagen haben. Sie sind oft introvertiert, um sich vor Überstimulation zu schützen.

Aber eben: stille Wasser sind tief. Manchmal sogar sehr tief. Vielleicht werden wir in Zukunft erkennen, dass diese stillen Wasser mehr zu sagen haben als wir denken, und viel mehr in der Lage sind, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen als die skrupellosen Manager und Chefs und Politiker, die in einzelnen Firmen oder der Regierung an der Spitze sitzen und von Empathie keine blasse Ahnung haben.

Das war jetzt gemein, ich weiss. Es geht auch gar nicht darum, die Hochsensiblen jetzt auf ein Podest zu heben und als die besseren Menschen zu präsentieren, nein. Wir brauchen beide Pole. Und jeder Pol hat seine Berechtigung.

Nur sind es die Hochsensiblen, die als erste spüren, dass ein System so wie es ist, nicht mehr funktionieren kann. Es sind die Sensitiven, die Zusammenhänge erkennen, die weiter, vernetzt oder anders denken als das Kollektiv.

Nur leider leben wir hier in Europa in einer Kultur, in der Introvertiertheit, Schüchternheit, kreatives, vernetztes Denken nicht wirklich gefragt ist. Es sind die lauten, mutigen, überzeugenden Persönlichkeiten, die sich an der Spitze befinden. Und manchmal leider auch die, die für Geld über Leichen gehen.

Wenn HSP in einer Kultur aufwachsen, in der ihre Eigenenschaften nicht geschätzt werden, können sie leider nicht verhindern, dass sie durch diesen Mangel beeinträchtigt werden.

Bäm. Ein Satz, der bei mir einschlug wie eine Bombe. Wie oft hab ich mich in diesem System nicht wohl gefühlt? Wie oft hab ich gedacht, nur so lange ich die vorgegebenen Erwartungen erfülle bin ich ok und sobald ich von diesem Pfad weg komme, wird es unglaublich schwierig? Wie oft fühlte ich mich unverstanden, nicht richtig, nicht gesellschaftskonform? (heute seh ich das alles nicht mehr so schwarz, zum Glück)

 

Das nächste, was ich gelernt habe, sind die vier Aspekte der Hochsensibilität. Jede sensitive Person muss zwingend alle diese vier Aspekte erfüllen, sonst ist sie nicht hochsensibel. Lies sie also ganz genau durch, wenn du den Verdacht in dir trägst, hochsensibel zu sein und finde heraus, ob diese Aspekte für dein Sein zutreffend sind:

  1. Gründliche Verarbeitung von Informationen. HSP saugen Informationen in sich hinein, wollen informiert sein, sehen Details auf Bildern oder in Texten, die anderen Menschen nicht auffallen. Ihre Hirnregionen, die für die gründliche Verarbeitung von Informationen zuständig sind, arbeiten dabei viel intensiver als die der „Normalos“.
  2. Rasche Übererregbarkeit. HSP können sehr schnell überreagieren, was auch total logisch ist. Denn, wer seiner Umfeld und den eigenen inneren Eindrücken mehr bewusst ist, dessen Batterien sind auch schneller leer und der braucht auch wieder Zeit um zu regenerieren.
  3. Gefühlsreaktion und Empathie. HSP sind die Empathen in unserer Gesellschaft. Sie können sich aber auch ihren eigenen Gefühlen nicht entziehen. Sie merken sehr schnell, wenn für sie etwas nicht stimmig ist und wollen das für sich verändern. Und sie fühlen natürlich ganz genau, welche Gefühle ihr Gegenüber in sich trägt. Manchmal kann es sogar vor kommen, dass es die Hochsensiblen sind, die den „Normalos“ gerade erklären, was sie da so fühlen.
  4. Sensible Wahrnehmung. Die Sinne von HSP sind sehr ausgeprägt. Dabei hören, sehen oder schmecken sie nicht besser, sie nehmen die Eindrücke einfach ungefilterter wahr. Sie riechen ganz zarte Gerüche, hören leise Geräusche, sehen Details in Bildern, die andere nicht wahr nehmen.

 

Eine Sache, die für mich sehr wichtig ist, und mir gerade sehr bewusst wird, ist die Tatsache, dass im Leben der Hochsensiblen die Spiritualität eine zentrale Rolle spielt. Ich bin ein sehr spiritueller Mensch, ja wer weiss, vielleicht bin ich sogar das, was andere als hellsichtig oder medial bezeichnen würden,  ich für meinen Teil find, ich bin einfach „nur“ hochsensibel.

Sensitive sind sehr intuitiv, das heisst, sie neigen zu wissen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Sie brauchen dazu oft keine Wissenschaft. Nur die Wissenschaft gibt halt eben die Sicherheit, die wir Menschen brauchen, um an etwas glauben und vertrauen zu können. Ob diese Wissenschaft auf den richtigen Grundlagen aufbaut, wird oft nicht hinterfragt.

HSP nehmen Feinheiten wahr und verstehen die, die sich nicht mit Worten ausdrücken können. Sie werden in ungewöhnlich starkem Mass von ihrem Unterbewusstsein beeinflusst und manchmal davon überwältigt. Sie sortieren Eindrücke sorgfältiger.

Als ich all diese Sätze las, wurde mir bewusst: all die Hellsichtigen, medialen, Schamanen und wer es sonst noch so gibt, der in anderen Ebenen arbeitet, sind durchwegs hochsensibel. Ich kenne jedenfalls keinen Heiler, kein Medium, keine Hellsichtige, die nicht hochsensibel sind. Und das find ich für mich ein ganz interessanter Aspekt.

Wer weiss, vielleicht sind all die selbst ernannten Medien und Heiler und Hellsichtigen gar nicht so speziell wie sie denken, sondern einfach „nur“ hochsensibel. Oder in jeder hochsensiblen Person steckt auch ein Heiler, ein Medium oder eine Hellsichtige. Wer weiss. Ich lass die Frage sehr gerne einfach mal offen.

So, ich komm langsam zum Schluss von diesem BlogPost. Wenn du also immer das Gefühl hattest, irgendwie nicht richtig zu sein, nicht in dieses System zu passen, verrückt zu sein und dich in den vier Aspekten der Hochsensibilität wieder findest, dann würd ich dir anraten, einmal einen Test zu machen, ob du vielleicht hochsensibel sein könntest. Du findest einen kleinen hier im Anschluss zu diesem Artikel.

Falls du schon weisst, dass du hochsensibel bist und dir dein Leben oft etwas beschwerlich vorkommt, dann helfe ich dir in meinen Beratungen und Coachings sehr gerne dabei, dich mit deiner Hochsensibilität anzufreunden und sie kraftvoll im Altag zu nutzen. Mehr Infos zu meinen Begleitungen findest du hier.

Für alle, die in der Schweiz wohnen und gerne mal ihre Hochsensibilität erleben und lernen wollen, ganz achtsam und bewusst damit umzugehen, für euch mach ich am 20.5. mit der tollen Sarah Riggione zusammen ein Seminar für hochsensible Frauen.

Nähere Infos und die Möglichkeit, dich anzumelden, findest du hier.

 

 

Du bist dir immer noch nicht sicher, ob du hochsensibel bist? Dann hab ich hier für dich 22 Fragen, die du mit ja oder nein beantworten kannst. Beantwortest du mehr als 12 Fragen mit ja, bist du mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit hochsensibel.

  1. Die Gefühle und Launen anderer Menschen machen mir etwas aus.
  2. Ich habe das Gefühl, Feinheiten und Details in meiner Umgebung wahr zu nehmen.
  3. An stressigen Tagen, wenn viel läuft muss ich mich an einen ruhigen Ort, wo ich zur Ruhe kommen kann, zurück ziehen können. Ich muss mich den Reizen im Aussen entziehen können.
  4. Ich bin schreckhaft.
  5. Wenn ich in kurzer Zeit viel zu erledigen habe, werde ich nervös und fahrig.
  6. Ich finde grelles Licht, laute Geräusche und unangenehme Düfte oft als unangenehm.
  7. Kunst und Musik können mich tief bewegen.
  8. Koffein und/ oder Alkohol wirken besonders stark auf mich.
  9. Ich finde es sehr nervend, wenn man von mir mehrere Dinge aufs Mal verlangt.
  10. Wenn sich jemand in meiner Umgebung nicht wohl fühlt, spüre ich, was diese Person gerade braucht, um sich besser zu fühlen. (zum Beispiel ein Glas Wasser trinken, andere Sitzposition, etc)
  11. Ich habe ein komplexes, tiefgründiges Innenleben.
  12. Ich kann laute Geräusche sehr schlecht ausklammern, sie rufen Unwohlsein in mir hervor.
  13. Ich bin sehr gewissenhaft.
  14. Ich schaue keine Filme und TV Serien mit Gewaltszenen.
  15. Als Kind wurde ich von Eltern und Lehrern für schüchtern und sensibel gehalten.
  16. Ich nehme feine und angenehme Gerüche und Geschmacksrichtungen wahr, liebe schöne Musik und Kunstgegenstände.
  17. Veränderungen im Leben beunruhigen mich und machen mich nervös.
  18. Oft fühle ich mich, wie ich mitten in einem grossen Chaos stehe.
  19. Ich werde gereizt, wenn viel um mich herum los ist.
  20. Ich gebe mir grosse Mühe, keine Fehler zu machen und nichts zu vergessen.
  21. Wenn ich das Gefühl habe, bei meiner Arbeit beobachtet und gemessen zu werden, werde ich nervös und fahrig und mache Fehler, die ich sonst nie mache unter normalen Umständen.
  22. Ich gehe aufregenden Situationen und solchen, die mich nervös machen aus dem Weg.
  23. Ich habe das Gefühl, Schmerzempfindlich zu sein.

 

 

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