Neue Weiblichkeit macht sich breit.

Frau zu sein ist schon was wunderschönes. Lange Zeit konnte ich das nicht so erkennen. 

Lange Zeit fand ich es mühsam, dass ich eine Frau bin. Lange konnte ich nicht erklären, weshalb das so war. 

Ich hatte einen Grossvater und Vater, die sich einen Jungen gewünscht hätten. Ich hätte Stammhalter werden sollen. So, wie es schon auf der Geburtsanzeige von meinem Vater stand. „Stolz verkünden wir die Geburt unseres Stammhalters.“

Den selben Namen hätte ich tragen sollen wie beide Männer schon vor mir.

Aus dem Stammhalter wurde ein Mädchen. Eins, mit einem ganz eigenen Namen. Denn tief im Inneren wollte ich anders sein, aus den Konventionen ausbrechen, Grenzen platt walzen, mich neu erfinden, die Welt verändern, grosses tun, andere inspirieren, gesehen werden.

Ich wollte keinen Stamm halten. Ich wollte nicht irgend eine Kopie oder Fortsetzung von irgend jemand sein. Ich wollte ich sein.

Doch wer war ich?

Bis mir das wieder bewusst wurde sollte ein Zeitchen vergehen. Der Schleier des Vergessens legte sich auf mich.

Und so begann ich, mich selber zu suchen. 

Mich mit den Jungs zu vergleichen. Ich wollte ihren Status erreichen. Ich fand die Mädchenspielsachen doof. Ich hätte auch im Stehen pinkeln wollen. Ich kämpfte mit den Jungs. Und irgendwie kam ich mit ihnen viel besser zurecht als mit den Mädchen.
Die nervten mich. Ich hasste ihr gezicke, Puppen interessierten mich nicht die Bohne, im Gummitwist war ich eine Niete. 

Ich wollte stark sein. Viel stärker, als ich das Gefühl hatte zu sein. 

Heute weiss ich, dass ich damals schon sehr sehr stark war.

Ich wurde erwachsen und wollte Karriere machen. Und ich machte sie. Wieder waren es die Männer, an denen ich mich orientierte. Ich wollte genau so stark, genau so taff sein wie sie. Und ich wollte die beste sein. Kinder? Nein die hatten keinen Platz in meinem Leben. Anderes war wichtiger.

Ich wollte gut sein. Und heute weiss ich, dass ich es auch war. Aber eins, ja eins wollte ich am allermeisten: ich wollte gesehen werden! 

Und dann? Dann wurde es leer. Etwas fehlte. Nur was? Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, gar nicht zu existieren. Falsch zu sein, nicht ganz zu sein, immer zu wenig gut zu sein. 

Ich war nicht das, was ich hätte werden sollen.

Doch wer war ich?

In mir war da noch etwas anderes, das gelebt werden wollte, das entdeckt werden wollte. Das, was mich zur Frau macht. Dieses Gefühl.

Ich konnte es nicht erklären, es war zuerst ein ganz kleiner Impuls, ein kleiner Samen, der sich zeigte, der spriessen wollte. Und immer mehr und mehr wollte ich ihn entdecken, sehen, was daraus wachsen würde. 

Und so liess ich mich auf das Abenteuer ein. Ich konnte nicht erklären, wieso ich das tat, ich konnte oft nicht erklären, was ich da tat. 

Aber ich spürte plötzlich, es ist das, was ich tun will. 

Und muss.

Und irgendwie, ja irgendwie fühlte es sich richtig an. Obwohl ich es nicht be greifen konnte.

Sich dem weiblichen Prinzip hin zu geben funktioniert nicht rationell. Man muss es spüren, man muss darauf vertrauen, dass alles in Fluss kommen darf. Man muss sich erlauben, empfangen zu dürfen. Lange Zeit hab ich das nicht kapiert. Lange Zeit suchte ich nach Methoden, Strategien, Lösungen. 

Im Aussen. Nur nicht bei mir. Das Aussen schien mir Orientierung zu geben, weil ich nicht wusste, wohin ich gehen sollte.

Bis ich mir erlaubte, zu empfangen. Bis ich dem Raum gab, was kommen wollte. Bis ich still stand und nicht mehr nach dem Körnchen suchte. 

Aus dem blinden Huhn wurde ein sehendes. Ein verstehendes. Zum Glück haben Hühner kleine Hirne. Denn ich verstand nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Denn nur mit ihm sieht man gut.

Nichts musste ich tun. Einfach nur wachsen lassen. Ich wurde rund und runder, mein Körper veränderte sich, ich war beseelt. In mir wuchs ein Kind und durch mich wurde es geboren. 

Zusammen haben wir eine Geburtsreise bestritten. Zusammen haben wir die Kraft des Lebens erfahren. Ich durfte erleben, was es heisst, sich der Geburtskraft, dem Leben hin zu geben. 

Mit all seinen Sinnen. Mit meinem ganzen Sein.

Sich weit zu machen. Dem Körper vertrauen. Dem Prozess vertrauen. Zulassen,  los lassen, geschehen lassen, mit dem Baby verbunden sein. 

Ich spürte die Anderswelt. Sie war so präsent. Die Grenze zu ihr war verschwommen. Keine Zeit, kein Raum. Vieles schien wie im Traum.

Und ich spürte sie, diese weibliche Urkraft die durch mich strömte. Kraftvoll, unberechenbar, pur. Sie liess mich erkennen, was Frau sein bedeutete: 

Stark sein, Raum geben, aus dem Herzen handeln, den Kopf abschalten, weit werden, los lassen, vertrauen.

Nein ich kann es nicht in Worte fassen. Ich will es auch nicht. 

Aber ich weiss einfach eins. Da ist diese Kraft, die in mir aufflammt. Immer wieder. Die neu gelebt werden will. Und da bin ich wohl nicht die Einzige. 

Wir müssen nichts tun, nur eines, in uns ruhn. Und so merke ich, wie genau diese Worte mich tragen, es ist etwas, das wollt ich dir schon lange auf diese Art und Weise sagen.

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